Zwergpinguin: Klein, nachtaktiv und voller Überraschungen
Nur rund 30 cm groß und kaum ein Kilogramm schwer – der Zwergpinguin (Eudyptula minor) ist der absolute Winzling unter den Pinguinen. Trotzdem ist er ein vollwertiger Pinguin mit allem, was dazugehört: Schwimmhäute, Frackzeichnung und eine bemerkenswerte Überlebensstrategie. Was ihn besonders macht? Er ist die einzige Pinguinart, die ausschließlich bei Dämmerung und Dunkelheit an Land kommt.
Steckbrief: Zwergpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Eudyptula minor |
| Größe | ca. 30–33 cm |
| Gewicht | ca. 1–1,5 kg |
| Lebensraum | Südliches Australien, Neuseeland |
| Nahrung | Heringsartige (Clupeiden), Tintenfische, kleine Krebstiere |
| Bestand | Nicht gefährdet (ca. 470.000 Brutpaare) |
Klein, blau und besonders: Das Aussehen
Im Gegensatz zu den meisten Pinguinen, die schwarz-weiß daherkommen, schillert das Rückengefieder des Zwergpinguins in einem wunderschönen Schieferblau. Daher nennt man ihn auf Englisch auch „Little Blue Penguin“. Die Unterseite ist klassisch weiß.
Mit nur etwa 30 cm Höhe ist er kaum größer als ein Lineal. Zum Vergleich: Ein Kaiserpinguin ist mit über einem Meter etwa viermal so groß. In meinem Unterricht frage ich manchmal, ob ein Zwergpinguin und ein Kaiserpinguin wirklich zur selben Familie gehören können – die Antwort überrascht jedes Mal.
Nachtaktive Strategen: Warum Zwergpinguine die Dunkelheit lieben
Die meisten Pinguine sind tagsüber aktiv. Nicht so der Zwergpinguin. Er verlässt seine Höhle erst bei Dämmerung und kehrt vor Sonnenaufgang zurück. Der Grund ist ein cleverer Schutzmechanismus: Seine Hauptfeinde an Land – Möwen und Greifvögel – sind tagaktiv. In der Dunkelheit sind die kleinen Pinguine für sie unsichtbar.
Im Meer allerdings jagen sie bei Tageslicht. Dort tauchen sie bis in Tiefen von 15 bis 20 Metern, um Heringsartige (Clupeiden) und Tintenfische zu fangen. In Einzelfällen wurden sogar Tauchtiefen von 70 Metern gemessen – beachtlich für ein so kleines Tier.
Wusstest du schon?
Auf der australischen Insel Phillip Island kommen jeden Abend bei Sonnenuntergang Hunderte Zwergpinguine aus dem Meer und watscheln in Gruppen zu ihren Höhlen. Diese „Penguin Parade“ ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen Australiens – mit eigens installierten Tribnen und Beleuchtung, die die Tiere nicht stört.
Wo Zwergpinguine zu Hause sind
Du findest Zwergpinguine an den Küsten des südlichen Australiens, auf Tasmanien und rund um Neuseeland. Sie bevorzugen felsige Küsten, Sandstrände und buschbewachsene Ufergebiete. Ihre Nester legen sie in selbstgegrabenen Höhlen an, unter Felsspalten oder sogar unter menschlichen Gebäuden.
Ja, du hast richtig gelesen: Zwergpinguine lassen sich von der Nähe des Menschen kaum stören. In manchen neuseeländischen Küstenorten nisten sie direkt unter Wohnhäusern oder in Gärten. Die Anwohner haben sich daran gewöhnt – und passen sogar ihre Lebensgewohnheiten an die kleinen Mitbewohner an.
Brutverhalten: Flexibel und familienorientiert
Anders als die meisten Pinguinarten hat der Zwergpinguin keine feste Brutperiode. Er kann sowohl im Frühjahr als auch im Herbst brüten – manche Paare schaffen sogar zwei Bruten pro Jahr. Normalerweise werden zwei Eier gelegt, die etwa 40 Tage lang bebrütet werden.
Nach rund acht Wochen sind die Küken flügge. Da die Eltern nur nach Einbruch der Dunkelheit zum Nest zurückkehren, werden die Jungen auch erst nachts gefüttert. Die Wartezeit verbringen die Küken kuschelig in ihrer Höhle – geschützt vor Sonne und Fressfeinden.
Gefahren und Naturschutz
Obwohl der Zwergpinguin insgesamt als „nicht gefährdet“ gilt, haben einzelne Populationen mit Problemen zu kämpfen. Eingeführte Raubtiere wie Füchse, Katzen und Hunde töten immer wieder Pinguine und Küken. Auf Middle Island in Australien wurde deshalb ein ungewöhnliches Schutzprojekt gestartet: Maremma-Hütehunde bewachen die Pinguinkolonie und vertreiben Füchse – eine Methode, die überraschend gut funktioniert.
Auch Ölverschmutzung und die Zerstörung von Küstenlebensräumen sind Risikofaktoren. In Neuseeland gibt es mittlerweile zahlreiche Bürgerinitiativen, die künstliche Nisthöhlen für Zwergpinguine aufstellen – mit großem Erfolg.
Verwandte Arten
Der nächste Verwandte des Zwergpinguins ist der Weißflügelpinguin (Eudyptula albosignata), der ausschließlich auf der Banks-Halbinsel in Neuseeland vorkommt. Ob es sich dabei um eine eigene Art oder eine Unterart handelt, wird in der Wissenschaft noch diskutiert. Erwähnenswert ist auch der Gelbaugenpinguin, der ebenfalls in Neuseeland lebt, aber zu einer ganz anderen Gattung gehört.