Zügelpinguin: Der Pinguin mit dem schwarzen Kinnband
Wenn du zum ersten Mal einen Zügelpinguin siehst, wirst du sofort verstehen, woher sein Name kommt. Ein schmaler schwarzer Streifen zieht sich von einer Kopfseite zur anderen – quer über die weiße Kehle, wie ein aufgemaltes Kinnband. Kein anderer Pinguin hat dieses Merkmal, und genau deshalb ist der Zügelpinguin so leicht zu bestimmen.
Sein englischer Name „Chinstrap Penguin“ beschreibt das Gleiche, und in Russland nennt man ihn sogar liebevoll den „Polizisten“ – weil der dunkle Streifen an die Kinnriemen alter Polizeihelme erinnert. Wissenschaftlich heisst er Pygoscelis antarctica, was so viel bedeutet wie „Bürzelfüßer aus der Antarktis“.
Steckbrief: Zügelpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Pygoscelis antarctica |
| Größe | ca. 53 cm |
| Gewicht | ca. 3,5 – 5 kg |
| Lebensraum | Antarktische Halbinsel, südatlantische Inseln |
| Nahrung | Krill, kleine Fische, Krebstiere |
| Bestand | ca. 8 Millionen Brutpaare – nicht gefährdet |
Aussehen und Körperbau
Der Zügelpinguin ist mit rund 53 Zentimetern Körperhöhe ein mittelgroßer Vertreter seiner Familie. Das Gesicht ist weiß, während Oberkopf und Rücken in kräftigem Schwarz gefärbt sind. Die Bauchseite ist, wie bei den meisten Pinguinen, strahlend weiß.
Diese Zweifarbigkeit nennt man in der Biologie „Gegenschattierung“ (Countershading). Von oben betrachtet verschmilzt der dunkle Rücken mit dem tiefen Ozean, von unten hebt sich der helle Bauch kaum vom hellen Himmel ab. So sind Zügelpinguine für Feinde im Wasser schwerer zu erkennen – eine ziemlich clevere Tarnung.
Lebensraum und Verbreitung
Zu Hause ist der Zügelpinguin rund um die Antarktische Halbinsel und auf den südatlantischen Inseln. Besonders große Kolonien gibt es auf den Süd-Shetland-Inseln und den Süd-Sandwich-Inseln. Die Stärke dieser Art liegt in ihrer Anpassung an extrem kalte, windgepeitschte Küsten.
Außerhalb der Brutzeit verbringt der Zügelpinguin fast sein gesamtes Leben auf offener See. Er ist ein echter Meeresbewohner, der nur an Land kommt, um zu brüten und sich zu mausern. Das ist die Phase, in der das alte Federkleid durch neues ersetzt wird – ein Prozess, der bei Pinguinen „Katastrophalmauser“ heisst, weil alle Federn auf einmal gewechselt werden.
Wusstest du schon?
Zügelpinguine können beim Schwimmen Geschwindigkeiten von über 30 km/h erreichen. Damit zählen sie zu den schnellsten Pinguinarten im Wasser. An Land rutschen sie gerne auf dem Bauch über Eis und Schnee – das spart Energie und sieht gleichzeitig ziemlich lustig aus.
Brutverhalten und Fortpflanzung
Im antarktischen Frühjahr – also etwa im November – legt das Weibchen zwei Eier in ein Nest aus sorgfältig aufgeschichteten Steinchen. Beide Elternteile wechseln sich beim Brüten ab. Die Küken schlüpfen nach rund 35 Tagen und sind anfangs einfarbig grau gefärbt.
Interessant ist, dass Zügelpinguine oft mehr als einen Tag auf See verbringen, um genügend Krill und kleine Fische zu fangen. Die Küken werden daher typischerweise nur einmal am Tag gefüttert. Trotzdem schaffen es die Eltern in der Regel, beide Küken großzuziehen – das ist bei Schopfpinguinen keineswegs selbstverständlich.
Ernährung
Auf dem Speiseplan stehen vor allem antarktischer Krill, kleine Fische und gelegentlich Krebstiere. Zügelpinguine jagen bevorzugt in Küstennähe und tauchen dabei selten tiefer als 60 Meter. Ihre Tauchgänge dauern meist weniger als eine Minute – dafür tauchen sie in schneller Folge immer wieder ab.
Gefährdung und Schutz
Mit geschätzten acht Millionen Brutpaaren ist der Zügelpinguin derzeit nicht akut bedroht. Dennoch beobachten Forscherinnen und Forscher einen Rückgang einiger Kolonien, der wahrscheinlich mit der Erwärmung des Südpolarmeeres und dem damit verbundenen Krill-Rückgang zusammenhängt.
Im Unterricht zeige ich gern, wie eng hier alles zusammenhängt: Steigt die Wassertemperatur auch nur um wenige Zehntel Grad, verändern sich die Krillbestände – und das trifft Pinguine, Robben und Wale gleichermaßen. Der Zügelpinguin ist damit ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des antarktischen Ökosystems.
Verwandtschaft mit anderen Pinguinen
Der Zügelpinguin gehört zur Gattung Pygoscelis, den sogenannten Langschanzpinguinen. Seine nächsten Verwandten sind der Eselspinguin und der Adéliepinguin. Alle drei Arten leben in ähnlichen Regionen, unterscheiden sich aber deutlich in ihrem Aussehen und teilweise auch in ihrer Ernährungsweise.