Weitere Pinguinarten: Unterarten und besondere Formen
Die meisten Quellen sprechen von 18 Pinguinarten. Doch die Realität ist komplizierter. Wissenschaftler diskutieren seit Jahren, ob bestimmte Populationen eigene Arten darstellen oder „nur“ Unterarten sind. DNA-Analysen führen immer wieder zu neuen Erkenntnissen – und manchmal wird eine Unterart zur eigenen Art aufgewertet oder umgekehrt.
Auf dieser Seite stellen wir dir die wichtigsten Unterarten und umstrittenen Klassifizierungen vor. Denn auch wenn sie keine eigenen Arten sind, verdienen diese Pinguine Aufmerksamkeit.
Der Felsenpinguin: Eine Art oder drei?
Die größte Debatte dreht sich um den Felsenpinguin. Lange wurde er als eine einzige Art geführt (Eudyptes chrysocome). Doch genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass die verschiedenen Populationen sich deutlich unterscheiden. Heute unterscheiden viele Forscher drei Unterarten – manche sogar drei eigenständige Arten:
| Unterart | Lateinischer Name | Verbreitung |
|---|---|---|
| Südlicher Felsenpinguin | E. chrysocome chrysocome | Falklandinseln, Südchile, Südargentinien |
| Östlicher Felsenpinguin | E. chrysocome filholi | Subantarktische Inseln im Indischen Ozean |
| Nördlicher Felsenpinguin | E. moseleyi | Tristan da Cunha, Gough-Insel, Amsterdam-Insel |
Der Nördliche Felsenpinguin wird von der IUCN bereits als eigenständige Art geführt und gilt als gefährdet. Er unterscheidet sich durch längere Kopffedern und einen insgesamt kräftigeren Schnabel.
Eselspinguin: Vier versteckte Arten?
Auch beim Eselspinguin (Pygoscelis papua) gibt es Bewegung. Neuere genetische Studien legen nahe, dass die verschiedenen Populationen schon so lange voneinander getrennt sind, dass sie möglicherweise vier eigenständige Arten darstellen:
- P. papua – Falklandinseln und Südamerika
- P. ellsworthii – Antarktische Halbinsel und Südliche Shetlandinseln
- P. taeniata – Kerguelen und Marion-Inseln
- P. poncetii – Südgeorgien
Ob diese Aufteilung sich durchsetzt, wird die Forschung der nächsten Jahre zeigen. Für den Artenschutz wäre sie bedeutsam, weil einzelne Populationen dann gezielter geschützt werden könnten.
Wusstest du schon?
Der Weissflügelpinguin (Eudyptula albosignata) von der Banks-Halbinsel in Neuseeland wird von manchen Wissenschaftlern als eigenständige Art geführt, von anderen nur als Farbvariante des Zwergpinguins betrachtet. DNA-Analysen stützen die Eigenständigkeit – aber die Debatte ist noch nicht abgeschlossen.
Königspinguin: Zwei Unterarten
Auch der Königspinguin wird in zwei Unterarten unterteilt, die sich in Größe und Verbreitungsgebiet leicht unterscheiden:
- A. patagonicus patagonicus – Südgeorgien, Falklandinseln
- A. patagonicus halli – Kerguelen, Crozet-Inseln, Macquarie-Insel
Die Unterschiede sind gering: Die östliche Unterart (halli) ist tendenziell etwas kleiner und hat leicht abweichende Färbungen am Kopf. Beide Unterarten sind in ihrem Bestand nicht gefährdet.
Fossile Pinguinarten: Die verlorenen Riesen
Neben den lebenden Arten kennen Wissenschaftler 17 fossile Pinguinarten. Die frühesten Pinguine lebten vor etwa 65 Millionen Jahren in der Nähe von Neuseeland. Der größte bekannte fossile Pinguin erreichte eine Körpergröße von rund 1,5 Metern – deutlich größer als der heutige Kaiserpinguin.
2005 wurden in Peru die Überreste zweier weiterer fossiler Arten entdeckt: Perudyptes devriesi (42 Millionen Jahre alt) und Icadyptes salasi (36 Millionen Jahre alt). Diese Funde zeigen, dass die frühen Pinguine auch in tropischen Gewässern lebten.
Warum ist die Artenzählung so schwierig?
Die Frage „Was ist eine Art?“ klingt einfach, ist aber eine der kniffligsten in der Biologie. Grundsätzlich gilt: Wenn sich zwei Populationen nicht mehr erfolgreich miteinander fortpflanzen können, handelt es sich um verschiedene Arten. Aber bei Pinguinen, die auf weit voneinander entfernten Inseln leben, lässt sich das oft gar nicht überprüfen.
Moderne DNA-Analysen bringen immer mehr Licht ins Dunkel. Es ist gut möglich, dass die offizielle Artenzahl in den nächsten Jahren auf 20 oder mehr ansteigt. Für den Artenschutz wäre das wichtig, denn je genauer wir die Populationen kennen, desto gezielter können wir sie schützen.