Der Weißflügelpinguin: Endemisch auf Neuseelands Chatham-Inseln

Weissflügelpinguin auf der Banks-Halbinsel

Wenn du denkst, du kennst alle Pinguine, dann hast du wahrscheinlich noch nie vom Weißflügelpinguin gehört. Er ist einer der am wenigsten bekannten Vertreter seiner Familie – und das liegt nicht zuletzt daran, dass er nur an einem einzigen Ort auf der Welt vorkommt: den Chatham-Inseln, einer abgelegenen Inselgruppe östlich von Neuseeland.

Seine Geschichte beginnt mit einer kleinen Verwirrung: Trotz seines Namens hat der Weißflügelpinguin gar keine komplett weißen Flügel. Tatsächlich sind nur die Flügelkanten weißlich gefärbt, während die Flügeloberseite dunkelbraun bis schwarz ist. Aber so ist das manchmal mit Tiernamen – sie erzählen nicht immer die ganze Wahrheit.

Steckbrief: Weißflügelpinguin

Wissenschaftlicher NameEudyptula minor albosignata
Größeca. 30 cm
Gewichtca. 1 – 1,5 kg
LebensraumChatham-Inseln (Neuseeland)
NahrungKleine Fische, Krill, Tintenfische
BestandUnbekannt – taxonomischer Status umstritten

Ein Zwergpinguin – oder doch eine eigene Art?

Taxonomisch ist der Fall nicht eindeutig. Der Weißflügelpinguin wird von vielen Forschern als Unterart des Zwergpinguins (Eudyptula minor) eingestuft. Andere Wissenschaftler sehen in ihm eine eigenständige Art. Die Debatte dreht sich um die Frage, ob die Unterschiede in Gefiederfärbung und DNA ausreichen, um von einer separaten Spezies zu sprechen.

In der Biologie nennt man diese Grauzone „taxonomische Unsicherheit“. Das ist gar nicht so selten: Bei vielen Tiergruppen streiten Forscher darüber, wo eine Unterart aufhört und eine eigene Art anfängt. Für den Naturschutz ist das keine akademische Kleinigkeit – denn eine eigenständige Art bekommt in der Regel mehr Aufmerksamkeit und Schutzmaßnahmen als eine bloße Unterart.

Aussehen: Klein, zierlich und fast unsichtbar

Mit nur rund 30 Zentimetern Körperhöhe und einem Gewicht von etwa einem Kilogramm gehört der Weißflügelpinguin zu den kleinsten Pinguinen überhaupt. Sein Rücken ist dunkelbraun bis schieferblau, der Bauch weiß. Vom Zwergpinguin unterscheidet er sich durch die etwas breiteren, hellen Flügelkanten – wobei dieser Unterschied selbst für geübte Beobachter schwer zu erkennen sein kann.

Dazu kommt eine weitere Eigenheit: Er ist nachtaktiv. Tagsüber bleibt er in seiner Höhle verborgen, und erst in der Dämmerung wagt er sich ans Meer. Dieses Verhalten schützt ihn vor Raubvögeln, die tagsüber jagen.

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Wusstest du schon?

Der Weißflügelpinguin ist so klein, dass er problemlos in zwei Hände passt. Damit ist er kaum größer als eine Wasserflasche. Trotz seiner winzigen Statur kann er im Wasser überraschend schnell schwimmen und bis zu 30 Meter tief tauchen.

Lebensraum: Die Chatham-Inseln

Die Chatham-Inseln liegen rund 800 Kilometer östlich der neuseeländischen Südinsel – mitten im Pazifik. Sie sind dünn besiedelt und bieten dem Weißflügelpinguin Küstenabschnitte mit sandigen und felsigen Bereichen, in denen er seine Brutböhlen graben oder natürliche Hohlräume nutzen kann.

Das Klima auf den Chatham-Inseln ist gemäßigt-ozeanisch: milde Winter, kühle Sommer und viel Wind. Für einen Pinguin, der aus der Zwergpinguin-Linie stammt, sind das ideale Bedingungen. Im Gegensatz zu seinen antarktischen Verwandten muss er mit keinem Blizzard kämpfen.

Verhalten und Lebensweise

Wie sein enger Verwandter, der Zwergpinguin, ist der Weißflügelpinguin ein dämmerungs- und nachtaktiver Vogel. Er verlässt seine Höhle in den frühen Morgenstunden, verbringt den Tag mit der Nahrungssuche auf See und kehrt erst bei Einbruch der Dunkelheit zurück.

Die Nester befinden sich in selbstgegrabenen Höhlen, unter Felsvorspriingen oder in der Vegetation. Anders als die großen Pinguinarten, die in riesigen Kolonien auf offenem Gelände brüten, bevorzugt der Weißflügelpinguin Diskretion. Die einzelnen Nester liegen oft weit auseinander.

Ernährung

Auf dem Speiseplan stehen kleine Küstenfische, Krill und gelegentlich Tintenfische. Der Weißflügelpinguin jagt in Küstennähe und taucht selten tiefer als 30 Meter. Seine Jagdauflüge sind vergleichsweise kurz – er bleibt meist innerhalb weniger Kilometer Entfernung von der Küste.

Gefährdung und Zukunft

Der genaue Bestand des Weißflügelpinguins ist nicht bekannt, was vor allem mit seinem unsicheren taxonomischen Status zusammenhängt. Klar ist aber, dass er unter den typischen Bedrohungen für Insel-Pinguine leidet: eingeschleppte Raubtiere wie Ratten und Katzen, Verlust von Bruthabitaten und veränderte Meeresbedingungen.

Der Weißflügelpinguin steht sinnbildlich für all die Tierarten, die so unauffällig leben, dass sie kaum jemand kennt – und die gerade deshalb in Gefahr sind, unbemerkt zu verschwinden. Vielleicht hilft es ja, wenn mehr Menschen von ihm erfahren. Wenn du weitere Neuseeland-Pinguine kennenlernen möchtest, empfehle ich dir die Seiten zum Gelbaugenpinguin und zum Dickschnabelpinguin.