Snarespinguin: Exklusiver Bewohner einer einzigen Inselgruppe

Snarespinguin im Olearia-Wald

Es gibt Pinguine, die auf ganzen Kontinenten verbreitet sind. Und dann gibt es den Snarespinguin. Er brütet ausschließlich auf den Snares-Inseln – einer winzigen Inselgruppe südlich von Neuseeland, die gerade einmal 3,3 Quadratkilometer groß ist. Zum Vergleich: Das ist kleiner als mancher Stadtpark.

Wissenschaftlich heisst er Eudyptes robustus, was „der Kräftige“ bedeutet. Sein englischer Name ist schlicht „Snares Penguin“. In älteren deutschsprachigen Quellen findest du ihn auch unter dem Namen Snares-Dickschnabelpinguin, weil er einen auffällig kräftigen Schnabel besitzt.

Steckbrief: Snarespinguin

Wissenschaftlicher NameEudyptes robustus
Größeca. 40 – 50 cm
Gewichtca. 2,5 – 4 kg
LebensraumSnares-Inseln (südlich von Neuseeland)
NahrungKrill, kleine Fische, Tintenfische
Bestandca. 25.000 – 30.000 Brutpaare – potenziell gefährdet (near threatened)

Aussehen: Dunkles Gesicht und buschiger Schopf

Der Snarespinguin gehört zur Familie der Schopfpinguine. Sein Kinn, seine Kehle und seine Wangen sind fast schwarz – deutlich dunkler als bei den meisten seiner Verwandten. Von den Nasenlöchern ausgehend ziehen sich buschige, hellgelbe Federn über die dunkelroten Augen bis zum Hinterkopf.

Im Vergleich zu anderen Schopfpinguinen ist er mit rund 40 bis 50 Zentimetern eher klein, aber sein kräftiger, rötlich-brauner Schnabel verleiht ihm ein robustes Erscheinungsbild. Optisch wird er manchmal mit dem Dickschnabelpinguin verwechselt, der an der Westküste der neuseeländischen Südinsel brütet. An der Schnabelbasis befindet sich ein kleiner fleischfarbener Fleck – ein Detail, das bei der Artbestimmung im Feld hilfreich sein kann.

Lebensraum: Ein Zuhause im Wald

Die Snares-Inseln liegen etwa 200 Kilometer südlich der neuseeländischen Südinsel. Anders als viele subantarktische Inseln sind sie teilweise bewaldet – mit niedrigen Olearia-Bäumen und dichtem Unterholz. Genau in diesen Wäldern brüten die Snarespinguine.

Das ist ungewöhnlich, denn die meisten Pinguine bevorzugen offene Küsten oder Felsplateaus. Der Snarespinguin hingegen watschelt vom Meer aus steile Klippen hinauf und bahnt sich seinen Weg durch den Wald zum Nestplatz. Dabei entstehen regelrechte „Pinguin-Autobahnen“ – ausgetretene Pfade, die sich über Generationen gebildet haben.

💡

Wusstest du schon?

Snarespinguine klettern tatsächlich auf die unteren Zweige von Bäumen! Sie nutzen die niedrigen Äste der Olearia-Bäume als erhöhte Ruheplattformen. Einen Pinguin auf einem Baum sitzen zu sehen, ist eines der kuriosesten Bilder, die die Natur zu bieten hat.

Brutverhalten: Revierkämpfe und ungleiche Eier

Im August kehren die Snarespinguine aus ihrem Winterquartier auf See zurück auf die Inseln. Sofort beginnen heftige Revierkämpfe um die besten Nestplätze. Die Männchen treffen dabei meist einige Tage vor den Weibchen ein, um ihr Territorium zu sichern.

Im September oder Oktober legt das Weibchen zwei Eier im Abstand von vier bis fünf Tagen. Die Eier unterscheiden sich deutlich in der Größe: Das zweite ist erheblich größer als das erste. In den meisten Fällen überlebt nur ein Küken – meistens das aus dem größeren Ei. Dieses Phänomen kennen wir von vielen Schopfpinguinen – etwa auch vom Haubenpinguin auf der Macquarie-Insel – und es wird in der Wissenschaft als „obligater Brutreduktion“ (brood reduction) bezeichnet.

Ernährung und Jagd

Snarespinguine ernähren sich hauptsächlich von Krill, kleinen Fischen und Tintenfischen. Sie jagen in den küstennahen Gewässern rund um ihre Inseln und tauchen dabei bis zu 60 Meter tief. Ihre Jagdauflüge können mehrere Stunden dauern.

Gefährdung und Schutz

Mit geschätzten 25.000 bis 30.000 Brutpaaren ist der Snarespinguin nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht, wird aber von der IUCN als „near threatened“ (potenziell gefährdet) eingestuft. Das Hauptrisiko liegt in der extremen Konzentration auf ein einziges, winziges Brutgebiet. Eine Ölkatastrophe oder eine eingeschleppte Krankheit könnte die gesamte Art gefährden.

Die neuseeländische Regierung hat die Snares-Inseln deshalb zum strikten Naturreservat erklärt. Das Betreten ist nur mit Sondergenehmigung erlaubt, und es gibt auf den Inseln keine permanente menschliche Präsenz. So bleibt der Lebensraum der Snarespinguine weitgehend ungestört.

Der Snarespinguin ist ein gutes Beispiel, wenn es im Unterricht um das Thema Endemismus geht – also um Arten, die nur in einem begrenzten Gebiet vorkommen. Kaum eine andere Pinguinart zeigt so deutlich, wie verwundbar ein Tier sein kann, wenn sein gesamter Lebensraum auf wenige Quadratkilometer beschränkt ist.