Snares-Dickschnabelpinguin – Zwei Namen, eine Art

Snares-Dickschnabelpinguin Nahaufnahme

Wenn du in älteren Büchern oder Lexika nach Pinguinen der Snares-Inseln suchst, stößt du oft auf den Namen „Snares-Dickschnabelpinguin“. Heute hat sich im Deutschen der kürzere Name Snarespinguin durchgesetzt – dort findest du auch unseren ausführlichen Steckbrief mit allem Wissenswerten zu Brutverhalten und Lebensraum. Diese Seite widmet sich der Frage, warum die Art überhaupt zwei deutsche Namen hat, was der dicke Schnabel damit zu tun hat und wie sich dieser Pinguin von seinem Namensvetter, dem Dickschnabelpinguin, unterscheidet.

Steckbrief: Snares-Dickschnabelpinguin

Wissenschaftlicher NameEudyptes robustus
Auch bekannt alsSnarespinguin
Größeca. 40–50 cm
Gewichtca. 2,5–4 kg
LebensraumSnares-Inseln (südlich von Neuseeland)
NahrungKrill, kleine Fische, Tintenfische
Bestandca. 25.000–30.000 Brutpaare, potenziell gefährdet

Warum „Dickschnabel“?

Der wissenschaftliche Artname robustus bedeutet „kräftig“ oder „stämmig“ – und bezieht sich direkt auf den Schnabel. Im Vergleich zu den meisten anderen Schopfpinguinen ist der Schnabel des Snarespinguins tatsächlich breiter und massiger. Er ist rötlich-braun gefärbt und an der Basis besonders dick. Frühe deutschsprachige Zoologen übersetzten dieses Merkmal wörtlich und nannten die Art „Snares-Dickschnabelpinguin“.

Der Name hatte allerdings einen Nachteil: Er sorgte für Verwechslungen. Denn es gibt eine andere neuseeländische Pinguinart, die ebenfalls „Dickschnabelpinguin“ heißt – den Dickschnabelpinguin (Eudyptes pachyrhynchus), auch Fiordlandpinguin genannt. Zwei verschiedene Arten mit dem Wort „Dickschnabel“ im Namen – das war auf Dauer verwirrend. Deshalb wurde der Name des Snares-Bewohners im Deutschen irgendwann verkürzt zu „Snarespinguin“.

Zwei Dickschnäbel, zwei Arten – die Unterschiede

Die Verwechslungsgefahr zwischen dem Snares-Dickschnabelpinguin und dem Dickschnabelpinguin (Fiordlandpinguin) ist real, denn beide leben in der Region um Neuseeland und gehören zur selben Gattung. Trotzdem lassen sie sich bei genauem Hinsehen gut unterscheiden.

Der Snares-Dickschnabelpinguin (E. robustus) hat ein fast vollständig schwarzes Gesicht. Kinn, Wangen und Kehle sind dunkel, ohne helle Streifen. An der Basis des Schnabels sitzt ein kleiner, fleischfarbener Hautfleck – ein Merkmal, das der Dickschnabelpinguin nicht besitzt. Die Schopffedern des Snarespinguins stehen buschig nach hinten ab.

Der Dickschnabelpinguin (E. pachyrhynchus) hat dagegen hellere Wangen und zeigt an den Seiten des Gesichts drei bis sechs weiße Streifen – ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal. Außerdem brütet er nicht auf den Snares-Inseln, sondern an der Südwestküste der neuseeländischen Südinsel und auf Stewart Island. Die beiden Arten teilen sich also kein Brutgebiet.

Die Snares-Inseln: Ein Ökosystem für sich

Die Snares-Inseln liegen rund 200 Kilometer südlich der neuseeländischen Südinsel. Die gesamte Landfläche beträgt nur 3,3 Quadratkilometer. Trotz dieser winzigen Größe beherbergt die Inselgruppe eine erstaunliche Artenvielfalt, darunter mehrere endemische Vogelarten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen.

Was die Snares-Inseln von den meisten subantarktischen Inseln unterscheidet, ist ihr Bewuchs. Niedrige Olearia-Bäume bilden dichte Wälder, in denen die Pinguine brüten. Die Tiere watscheln vom Meer aus steile Küstenfelsen hinauf, kämpfen sich durch das Unterholz und nisten im Halbdunkel des Waldes. Im Lauf der Jahrzehnte haben sie feste Pfade in den Waldboden getreten, die wie Miniaturstraßen aussehen.

Neuseeland hat die Snares-Inseln als striktes Naturreservat ausgewiesen. Das Betreten ist ohne Sondergenehmigung verboten, und es gibt keine permanenten Gebäude oder Unterkünfte. Diese strenge Isolation hat dazu beigetragen, dass die Inseln frei von eingeschleppten Ratten und Mäusen geblieben sind – ein riesiger Vorteil für die Pinguine, deren Eier und Küken andernfalls leichte Beute wären.

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Wusstest du schon?

Der Snares-Dickschnabelpinguin ist die einzige Pinguinart, deren gesamte Weltpopulation auf einer Inselgruppe von weniger als 3,5 Quadratkilometern Platz findet. Zum Vergleich: Das entspricht etwa der Hälfte des Flughafengeländes von Berlin-Brandenburg.

Der Schnabel als Werkzeug

Der kräftige Schnabel, dem die Art ihren alten Namen verdankt, ist mehr als nur ein Erkennungsmerkmal. Beim Fischfang dient er als präzises Greifwerkzeug. Snarespinguine jagen in den Gewässern rund um ihre Inseln und tauchen dabei bis zu 60 Meter tief. Krill bildet den Hauptteil der Nahrung, ergänzt durch kleine Fische und Tintenfische.

Aber auch an Land hat der Schnabel eine Funktion. Während der Brutsaison kommt es zu heftigen Revierkämpfen, bei denen die Männchen mit offenem Schnabel aufeinander losgehen, sich an den Schnäbeln packen und versuchen, den Gegner aus dem Nestbereich zu drängen. Ein kräftiger Schnabel ist hier ein klarer Vorteil.

Der Schnabel spielt auch bei der Gefiederpflege eine Rolle. Schopfpinguine verbringen viel Zeit damit, ihr Federkleid mit dem Schnabel zu ordnen und einzuölen. Das ist lebenswichtig, denn nur ein intaktes Gefieder schützt vor Auskühlung im kalten Südpazifik.

Bestand und Gefährdung

Mit 25.000 bis 30.000 Brutpaaren ist der Snares-Dickschnabelpinguin keine seltene Art im klassischen Sinn, aber seine extreme Abhängigkeit von einem einzigen Brutgebiet macht ihn verwundbar. Die IUCN stuft ihn als „near threatened“ (potenziell gefährdet) ein.

Das größte Risiko wäre die Einschleppung invasiver Arten. Ratten oder Mäuse, die über ein gestrandetes Schiff auf die Inseln gelangen könnten, würden die Eier und Küken fressen und die Population innerhalb weniger Jahre massiv reduzieren. Bislang ist das nicht geschehen – auch dank strenger Quarantänemaßnahmen für alle Schiffe, die in die Nähe der Inseln fahren.

Langfristige Bedrohungen wie die Erwärmung der Ozeane und veränderte Strömungsmuster könnten das Nahrungsangebot rund um die Snares-Inseln beeinflussen. Da die Art so standorttreu ist, kann sie nicht einfach auf ein anderes Brutgebiet ausweichen, wenn die Bedingungen schlechter werden.

Für den vollständigen Überblick über Brutverhalten, Erscheinungsbild und Lebensweise empfehle ich dir unseren Hauptartikel zum Snarespinguin.