Pinguine und ihre Lebensräume: Von Eis bis Tropen
Wenn du an Pinguine denkst, hast du wahrscheinlich sofort Eisberge und Schneelandschaften im Kopf. Und ja, einige Arten leben tatsächlich in der eisigen Antarktis. Aber die Wahrheit ist: Pinguine sind viel vielseitiger, als die meisten Menschen glauben. Sie leben auch an warmen Sandstränden, in tropischen Lavalandschaften und in gemässigten Küstenwäldern.
Eines haben alle Pinguinarten gemeinsam: Sie kommen ausschliesslich auf der Südhalbkugel vor. Kein Pinguin hat jemals aus eigener Kraft den Äquator überquert – die warmen Meeresströmungen in den gemässigten Breiten sind ein unüberwindliches Hindernis. Alle Pinguine sind auf kalte, nährstoffreiche Meeresströmungen angewiesen.
Wusstest du schon?
Streng genommen leben am Südpol selbst gar keine Pinguine. Der geografische Südpol ist den Pinguinen zu kalt und vor allem zu weit vom Meer entfernt. Pinguine brauchen nämlich Zugang zum offenen Wasser, um ihre Nahrung zu finden.
Antarktis: Das Reich der Kaiserlichen
Die Antarktis ist der extremste Lebensraum, den Pinguine besiedeln. Temperaturen von bis zu minus 40 °C, monatelange Dunkelheit im Winter und heftige Blizzards – nur zwei Arten sind hart genug für diese Bedingungen:
- Kaiserpinguin – Der größte aller Pinguine brütet mitten im antarktischen Winter auf dem Packeis. Er ist die einzige Tierart, die den antarktischen Winter an Land verbringt.
- Adéliepinguin – Brütet auf dem antarktischen Kontinent, allerdings nur im Sommer. Im Winter zieht er sich aufs offene Meer zurück.
Die Antarktis wird durch den Antarktisvertrag von 1959 geschützt und darf nur für friedliche Zwecke und wissenschaftliche Forschung genutzt werden. Trotzdem setzen Klimawandel und schmelzendes Meereis den dortigen Pinguinen zunehmend zu.
Subantarktische Inseln: Vielfalt im Sturm
Rund um die Antarktis liegen zahlreiche Inseln, die von stürmischen, kalten Meeren umgeben sind: Südgeorgien, die Falklandinseln, Kerguelen, Macquarie-Insel und viele mehr. Hier lebt die größte Vielfalt an Pinguinarten:
- Königspinguin – In riesigen Kolonien mit teilweise über 100.000 Brutpaaren, vor allem auf Südgeorgien und den Kerguelen.
- Eselspinguin – Lebt auf den Falklandinseln, Südgeorgien und der Antarktischen Halbinsel.
- Felsenpinguin – Brütet auf steilen Klippen der Falklandinseln und anderer subantarktischer Inseln.
- Macaronipinguin – Die zahlreichste Pinguinart überhaupt, mit geschätzten 18 Millionen Brutpaaren.
- Haubenpinguin – Brütet ausschliesslich auf der Macquarie-Insel südlich von Australien.
Antarktische Halbinsel: Treffpunkt zweier Welten
Die Antarktische Halbinsel ragt weit nach Norden und bietet etwas mildere Bedingungen als das Innere des Kontinents. Hier treffen antarktische und subantarktische Arten aufeinander:
- Zügelpinguin – Brütet auf felsigem Untergrund, erkennbar am typischen schwarzen Kehlstreifen.
- Eselspinguin – Findet hier eisfreie Brutplätze.
Die Antarktische Halbinsel ist auch das Hauptziel der meisten Antarktis-Kreuzfahrten. Hier kann man mit etwas Glück gleich mehrere Arten auf einmal beobachten.
Südamerika: Pinguine unter Palmen
Hättest du das gedacht? An den Küsten Südamerikas leben gleich mehrere Pinguinarten – und das Klima ist dort alles andere als antarktisch. Der kalte Humboldtstrom und der Falklandstrom bringen nährstoffreiches Wasser und ermöglichen den Pinguinen ein Leben weit nördlich der Antarktis.
- Magellanpinguin – Riesige Kolonien in Patagonien (Argentinien) und Südchile. In Punta Tombo kommen jährlich über eine Million Tiere zusammen. Auch auf den Falklandinseln zu Hause.
- Humboldtpinguin – Lebt an den Küsten Chiles und Perus. Sein Lebensraum erstreckt sich bis in die Atacama-Wüste – eine der trockensten Regionen der Erde.
- Eselspinguin und Felsenpinguin – Auf den Falklandinseln vor der Küste Argentiniens.
Wusstest du schon?
Die Magellanpinguin-Kolonie in Punta Tombo (Patagonien) ist die größte Festland-Pinguinkolonie der Welt. In der Brutsaison versammeln sich dort über eine Million Tiere – und der Ort ist problemlos mit dem Auto erreichbar!
Südafrika: Pinguine am Badestrand
Ja, es gibt Pinguine in Afrika! Der Brillenpinguin ist die einzige Pinguinart auf dem afrikanischen Kontinent. Er lebt an der Südwestküste Südafrikas und Namibias, wo der kalte Benguelastrom für ausreichend Nahrung sorgt.
Besonders bekannt ist die Kolonie am Boulders Beach bei Simons Town, nur wenige Kilometer vom Kap der Guten Hoffnung entfernt. Hier laufen die Pinguine buchstäblich zwischen den Badegästen herum. Seit 1985 siedeln sich dort immer mehr Brillenpinguine an – mitten in der Stadt.
Leider ist der Brillenpinguin stark gefährdet. Sein Bestand hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verringert – Überfischung, Ölverschmutzung und Lebensraumverlust sind die Hauptursachen.
Australien und Neuseeland: Vielfalt im Südpazifik
Die Region Australien und Neuseeland beherbergt eine überraschend grosse Vielfalt an Pinguinarten. Ganze sechs Arten leben hier:
- Zwergpinguin – Der kleinste Pinguin der Welt lebt an den Küsten Südaustraliens und Neuseelands. Auf Phillip Island bei Melbourne wurde eigens für Touristen eine Tribüne errichtet, um die allabendliche Rückkehr der Pinguine aus dem Meer zu beobachten.
- Weissflügelpinguin – Eng verwandt mit dem Zwergpinguin und nur auf der Südinsel Neuseelands zu finden.
- Gelbaugenpinguin – Einer der seltensten Pinguine der Welt, brütet an der Südküste Neuseelands im Küstenwald.
- Kronenpinguin – Lebt auf den Bounty- und Antipoden-Inseln südlich von Neuseeland.
- Dickschnabelpinguin – Brütet an der Westküste der Südinsel Neuseelands.
- Snares-Dickschnabelpinguin – Ausschliesslich auf den kleinen Snares-Inseln südlich von Neuseeland.
Galapagosinseln: Der tropische Aussenseiter
Die größte Überraschung zum Schluss: Der Galapagospinguin lebt fast am Äquator! Er ist die nördlichste aller Pinguinarten und kommt ausschliesslich auf den Galapagosinseln im Pazifischen Ozean vor.
Wie kann ein Pinguin in den Tropen überleben? Das Geheimnis ist der kalte Cromwell-Strom, der nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche bringt. Ohne diese Kaltströmung wäre ein Leben für Pinguine am Äquator unmöglich.
Der Galapagospinguin ist mit nur rund 1.200 Brutpaaren eine der seltensten Pinguinarten und gilt als vom Aussterben bedroht. El-Niño-Ereignisse, die das kalte Wasser erwärmen, können die Population drastisch dezimieren.
Übersicht: Welcher Pinguin lebt wo?
| Region | Pinguinarten | Klima |
|---|---|---|
| Antarktis | Kaiserpinguin, Adéliepinguin | Extrem kalt, bis −40 °C |
| Subantarkt. Inseln | Königspinguin, Eselspinguin, Felsenpinguin, Macaronipinguin, Haubenpinguin | Kalt, stürmisch |
| Antarkt. Halbinsel | Zügelpinguin, Eselspinguin | Kalt, gemässigt |
| Südamerika | Magellanpinguin, Humboldtpinguin, Eselspinguin, Felsenpinguin | Gemässigt bis kühl |
| Südafrika | Brillenpinguin | Warm-gemässigt |
| Australien / Neuseeland | Zwergpinguin, Weissflügelpinguin, Gelbaugenpinguin, Kronenpinguin, Dickschnabelpinguin, Snares-Dickschnabelpinguin | Gemässigt |
| Galapagosinseln | Galapagospinguin | Tropisch |
In unserer alphabetischen Pinguinliste findest du alle 18 Arten auf einen Blick. Wer Pinguine live in ihrem Lebensraum beobachten möchte, kann das über unsere Webcam-Sammlung bequem von zu Hause aus tun.
Pinguine können den Äquator nicht aus eigener Kraft überqueren, da die warmen tropischen Meeresströmungen für sie ein unüberwindliches Hindernis darstellen. Ausserdem leben in der Arktis Landraubtiere wie Eisbären und Füchse, die brütende Pinguine schnell dezimieren würden. In der Antarktis fehlen solche Räuber – das war eine Voraussetzung dafür, dass Pinguine die Flugfähigkeit aufgeben konnten.