Magellanpinguin: Südamerikas häufigster Pinguin
An den windgepeitschten Küsten Patagoniens gibt es einen Pinguin, der in riesigen Kolonien von Hunderttausenden Tieren lebt. Der Magellanpinguin (Spheniscus magellanicus) ist die mit Abstand häufigste Pinguinart Südamerikas – und trägt den Namen des berühmten portugiesischen Seefahrers Fernando de Magallanes, der diese Vögel im 16. Jahrhundert als einer der ersten Europäer beschrieb.
Steckbrief: Magellanpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Spheniscus magellanicus |
| Größe | ca. 55 cm |
| Gewicht | 4–5 kg |
| Lebensraum | Südliches Südamerika (Argentinien, Chile, Falklandinseln) |
| Nahrung | Sardellen, Tintenfische, Krill |
| Bestand | Potenziell gefährdet (ca. 1,1 Millionen Brutpaare) |
Aussehen: Doppelstreifig und unverwechselbar
Was den Magellanpinguin von seinen Verwandten abhebt, ist sein markantes Streifenmuster. Am Kopf trägt er ein weißes Band, das oberhalb der Augen beginnt, sich nach hinten zieht und unter der schwarzen Kehle wieder zusammenläuft. Darunter folgt ein breites schwarzes Band, das mit dem schwarzen Rücken verbunden ist.
Und dann kommt das entscheidende Detail: Auf dem weißen Bauch verläuft ein zweites schwarzes Band, das unterhalb der Flügel endet. Dieses doppelte Brustband unterscheidet ihn klar vom Humboldtpinguin, der nur einen einzelnen Streifen trägt. Neben dem Schnabel besitzt er nackte Hautstellen – eine Anpassung, die ihm hilft, in seinem vergleichsweise warmen Lebensraum überschüssige Wärme abzugeben.
Lebensraum: Patagoniens wilde Küsten
Von der Küste Argentiniens über die Straße von Magellan bis hinauf nach Zentralchile – der Magellanpinguin besiedelt einen beachtlichen Küstenstreifen. Die größten Kolonien findest du in Punta Tombo (Argentinien), wo sich mehr als 200.000 Brutpaare versammeln. Das ist eine der größten Pinguinkolonien außerhalb der Antarktis.
Im Winter ziehen die Tiere nordwärts und erreichen dabei manchmal sogar die Küsten Brasiliens. Im Frühjahr kehren sie dann zuverlässig zu ihren angestammten Brutplätzen zurück.
Fortpflanzung: Treue Höhlenbrüter
Magellanpinguine sind Höhlenbrüter. Sie graben sich mit Schnabel und Füßen Erdbautenm in den sandigen Boden und nutzen auch vorhandene Vegetation als Schutz vor Sonne und Räubern. Typisch für diese Art: Die Paare suchen jedes Jahr dieselbe Höhle auf. In der Regel legt das Weibchen zwei Eier, die von beiden Eltern abwechselnd bebrütet werden.
Das dünnere Federkleid und die geringere Fettschicht im Vergleich zu antarktischen Pinguinen sind typische Anpassungen an den wärmeren Lebensraum. So können die Tiere auch bei Temperaturen von über 30 °C in ihren Höhlen brüten, ohne zu überhitzen.
Wusstest du schon?
Magellanpinguine sind ausgesprochen treue Partner. Studien zeigen, dass über 90 % der Paare im Folgejahr wieder zusammenfinden – und das, obwohl sie den gesamten Winter getrennt auf dem offenen Meer verbringen. Sie erkennen ihren Partner am Ruf, auch in einer Kolonie mit Hunderttausenden anderen Pinguinen.
Ernährung: Jagen im Schwarm
Auf dem Speiseplan stehen vor allem Sardellen, kleine Tintenfische und Krill. Magellanpinguine jagen häufig in Gruppen und können dabei Tiefen von bis zu 50 Metern erreichen. Ein einzelner Jagdausflug dauert oft mehrere Stunden, wobei die Tiere Strecken von 100 Kilometern und mehr zurücklegen.
In einer Dokumentation über die Kolonie in Punta Tombo konnte man gut beobachten, wie synchron die Pinguine zum Fischen aufbrechen. Morgens watscheln Tausende gleichzeitig Richtung Meer – und abends kommen sie ebenso geschlossen zurück. Wer das einmal gesehen hat, vergisst es nicht.
Bedrohung und Schutz
Die IUCN stuft den Magellanpinguin als „potenziell gefährdet“ ein. Die Hauptgefahren sind Ölverschmutzung, Überfischung und der Klimawandel, der die Nahrungsverfügbarkeit beeinflusst. In manchen Jahren verenden Tausende von Küken, weil die Eltern nicht genug Futter finden.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Schutzgebiete wie Punta Tombo und die Isla Magdalena in Chile sorgen dafür, dass die wichtigsten Brutkolonien gesichert sind. Tourismus wird dort behutsam gesteuert, sodass du die Tiere aus nächster Nähe beobachten kannst, ohne sie zu stören.
Verwandte Arten
Der Magellanpinguin gehört zur Gattung Spheniscus, den sogenannten Brillenpinguinen. Seine engsten Verwandten sind der Humboldtpinguin an der Westküste Südamerikas, der Brillenpinguin in Südafrika und der Galápagospinguin auf den Galápagosinseln. Alle vier Arten leben in gemäßigten bis warmen Regionen – ganz anders als die Kaiserpinguine in der Antarktis.