Kronenpinguin: Der Bewohner subantarktischer Inseln
Stell dir einen Pinguin vor, der seine gelben Kopffedern wie eine Krone aufstellen kann. Genau das macht der Kronenpinguin – und zwar als einziger Vertreter der Schopfpinguine. Bei allen anderen Arten hängen die Schmuckfedern einfach herab, doch der Kronenpinguin richtet seinen Schopf stolz auf.
Wissenschaftlich heisst er Eudyptes sclateri, benannt nach dem britischen Zoologen Philip Lutley Sclater. Auf Englisch trägt er den Namen „Erect-crested Penguin“ – zu Deutsch etwa „Aufrecht-Schopf-Pinguin“. Das beschreibt sein auffälligstes Merkmal ziemlich genau.
Steckbrief: Kronenpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Eudyptes sclateri |
| Größe | ca. 50 – 55 cm |
| Gewicht | ca. 4 – 5 kg |
| Lebensraum | Südpazifische Inseln im Bereich Neuseelands (Bounty- und Antipoden-Inseln) |
| Nahrung | Krill, kleine Tintenfische, Fische |
| Bestand | ca. 150.000 Brutpaare – gefährdet (endangered) |
Aussehen: Gelber Schopf und dunkelrote Augen
Der Kronenpinguin ist rund 55 Zentimeter groß und wiegt zwischen vier und fünf Kilogramm. Sein Rücken ist blauschwarz, der Bauch weiß. Das markanteste Merkmal ist der hellgelbe Federschopf, der von der Schnabelbasis über die Augen hinweg nach hinten verläuft.
Was viele nicht wissen: Die Augen des Kronenpinguins sind dunkelrot gefärbt. In der Biologie spricht man hier von einer speziellen Pigmentierung der Iris, die wahrscheinlich dabei hilft, unter Wasser besser zu sehen. Zusammen mit dem aufrichtbaren Schopf verleiht das dem Kronenpinguin ein ausgesprochen charakteristisches Gesicht.
Lebensraum: Abgelegene Inseln im Südpazifik
Du findest den Kronenpinguin ausschließlich auf den Bounty-Inseln und den Antipoden-Inseln – beides winzige, unbewohnte Inselgruppen südöstlich von Neuseeland. Diese Inseln liegen in der subantarktischen Zone, also in dem stürmischen Gürtel zwischen 46 und 60 Grad südlicher Breite.
Die Bounty-Inseln sind übrigens so klein und felsig, dass dort kaum Vegetation wächst. Trotzdem brüten auf ihnen Zehntausende Kronenpinguine – dicht an dicht auf nacktem Fels. Komfortabel ist anders, aber die Inseln bieten einen entscheidenden Vorteil: Es gibt dort keine landlebenden Raubtiere.
Wusstest du schon?
Der Kronenpinguin ist der einzige Schopfpinguin, der seinen Federschmuck aktiv aufrichten kann. Alle anderen Schopfpinguine – etwa der Goldschopfpinguin oder der Felsenpinguin – tragen ihren Schopf dauerhaft nach hinten hängend. Warum genau der Kronenpinguin diese Fähigkeit entwickelt hat, ist bisher nicht abschließend geklärt.
Brutverhalten: Zwei Eier, aber nur ein Küken
Ab September beginnen die Kronenpinguine, ihre Brutkolonien zu bilden. Dabei geht es alles andere als friedlich zu: Die Männchen liefern sich heftige Revierkämpfe um die besten Nistplätze. Es wird geschrien, mit den Flossen geschlagen und kräftig gepickt.
Die Nester bestehen aus Stöcken, Steinen und Gras. Das Weibchen legt zwei Eier, die sich allerdings deutlich in der Größe unterscheiden. Das zweite Ei ist fast doppelt so groß wie das erste. In der Praxis wird fast immer nur das größere Ei ausgebrütet – das kleine geht meistens verloren.
Dieses Verhalten nennt man in der Biologie „obligaten Brutverlust“. Das klingt verschwenderisch, hat sich aber evolutionär offenbar bewährt. Eine mögliche Erklärung: Das erste Ei dient als eine Art „Versicherung“, falls bei der zweiten Eiablage etwas schiefgeht.
Ernährung und Jagdverhalten
Kronenpinguine ernähren sich hauptsächlich von Krill und kleinen Tintenfischen, ergänzt durch gelegentliche Fischmahlzeiten. Sie jagen in den nährstoffreichen Gewässern rund um ihre Brutinseln und können dabei beachtliche Tiefen erreichen.
Was mich am Kronenpinguin immer wieder überrascht: Wie wenig wir eigentlich über ihn wissen. Weil seine Brutinseln so abgelegen und schwer zugänglich sind, gibt es vergleichsweise wenige Studien. Jede Forschungsexpedition dorthin ist ein logistisches Abenteuer – und bringt trotzdem regelmäßig neue Erkenntnisse.
Gefährdung und Schutz
Die IUCN stuft den Kronenpinguin als „endangered“ (gefährdet) ein. Sein Bestand ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, ohne dass die genauen Ursachen vollständig geklärt sind. Vermutet werden Verfänderungen in der Nahrungsverfügbarkeit durch die Erwärmung des Südpazifiks.
Die Brutinseln selbst stehen unter strengem Naturschutz. Das Betreten ist nur mit Sondergenehmigung für Forschungszwecke erlaubt. Das ist auch gut so – denn gerade für eine Art, die so empfindlich auf Störungen reagiert, ist Ruhe die beste Schutzmaßnahme.