Alles über den Königspinguin

Königspinguin-Kolonie auf Südgeorgien

Mit seinen leuchtend orangefarbenen Ohrflecken und der stolzen Haltung wirkt der Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) wie ein Adliger unter den Pinguinen. Kein Wunder, dass er seinen majestätischen Namen trägt. Er ist der zweitgrößte Pinguin der Welt – nur sein enger Verwandter, der Kaiserpinguin, überragt ihn noch.

Auf einen Blick

Steckbrief: Königspinguin

Wissenschaftlicher NameAptenodytes patagonicus
Englischer NameKing Penguin
Größe80 – 100 cm
Gewicht10 – 20 kg
Lebenserwartungca. 10 Jahre (in freier Wildbahn)
LebensraumAntarktische und subantarktische Inseln
NahrungFisch, Tintenfisch, Krill
Bestandca. 2,2 Millionen Brutpaare

Merkmale und Aussehen

Der Königspinguin gehört zur selben Gattung wie der Kaiserpinguin, ist aber schlanker und besitzt einen längeren Schnabel. Was ihn wirklich unverwechselbar macht, sind seine leuchtend orangegelben Flecken an den Kopfseiten und am Hals. Diese Farbzeichnung ist deutlich kräftiger als beim größeren Verwandten.

Wer einen Königspinguin einmal aus der Nähe gesehen hat, vergisst ihn nicht. Zum Glück ist das in Deutschland gut möglich: Mehrere Zoos halten diese stattliche Art, darunter der Zoologische Garten Berlin, Hagenbeck in Hamburg und der Tierpark Hellabrunn in München.

Leben in der Wildnis

Verbreitung

Königspinguine besiedeln antarktische und subantarktische Inseln. Im Gegensatz zum Kaiserpinguin brüten sie nicht auf dem Packeis, sondern auf festen Inseln wie Südgeorgien, den Falklandinseln oder den Crozetinseln. Dort bilden sie riesige Kolonien mit tausenden Brutpaaren.

Ernährung

Königspinguine sind ausdauernde Taucher und jagen vor allem Laternenfische sowie kleine Tintenfische. Bei der Nahrungssuche legen sie enorme Strecken zurück – bis zu 3.600 Kilometer pro Futterreise in den Wintermonaten. Eine einzelne Suchtour kann 50 bis 60 Tage dauern. Wenn ich das im Unterricht bespreche, kommt immer die Frage auf, wie die Tiere über tausende Kilometer zuverlässig zurück zu ihrem Küken finden. Bis heute ist das nicht vollständig geklärt.

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Wusstest du schon?

Während der Mauser (dem Federwechsel) verlieren Königspinguine bis zur Hälfte ihres Körpergewichts! In dieser Phase können sie nicht ins Wasser, weil ihr Gefieder vorübergehend nicht wasserdicht ist. Sie müssen vorher also ordentlich Fettreserven anlegen.

Nachwuchs

Das Brutverhalten des Königspinguins ist ungewöhnlich lang und kompliziert. Im Alter von etwa sechs Jahren brüten Königspinguine zum ersten Mal. Die Aufzucht eines einzigen Kükens dauert 12 bis 13 Monate – das ist länger als bei jeder anderen Pinguinart.

Deshalb teilen sich die Königspinguine in zwei Gruppen: Die Frühbrüter legen ihr grünlich-weißes Ei im November, die Spätbrüter erst im Februar. Das Ei wird zunächst vom Männchen in einer Bauchfalte auf den Füßen ausgebrütet – ähnlich wie beim Kaiserpinguin.

Ein deutlicher Unterschied: Während Kaiserpinguine in dichten Gruppen brüten, verteidigen Königspinguine ihren Platz. Zu nahe kommende Artgenossen werden mit kräftigen Flügelschlägen und Schnabelhieben vertrieben. Während der Brut fällt den Eltern sogar ein Teil der Beinfedern aus – so hat das Ei engeren und wärmeren Kontakt zum Körper.

Die Brutzeit selbst dauert bis zu 55 Tage, wobei sich die Eltern alle zwei bis drei Wochen ablösen. Bei der Rückkehr begrüßen sie sich mit einem förmlichen „Begrüßungszeremoniell“ aus bestimmten Rufen und Gesten, das die Paarbindung festigt.

Die harte Winterzeit

In den Wintermonaten wird es für die Küken besonders hart. Die Eltern finden nicht genügend Nahrung in der Nähe und müssen auf wochenlange Jagdreisen gehen. In dieser Zeit stehen die hungrigen Küken – erkennbar an ihrem braunen Daunenkleid – geduldig in den Kolonien und warten.

Die Abstande zwischen den Fütterungen können mehrere Wochen betragen. Erst im Frühjahr, wenn die Eltern wieder regelmäßig füttern können, werden die überlebenden Küken wieder aufgepäppelt. Wegen dieser extrem langen Aufzucht können Königspinguine höchstens zweimal in drei Jahren brüten – oft sogar nur einmal alle zwei Jahre. Wie sich dieser ungewöhnliche Brutrhythmus in den Jahreskalender einfügt, erfährst du in unserer Pinguin-Zeitrechnung.

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Wusstest du schon?

Königspinguin-Küken in ihrem braunen Daunenkleid sahen für frühere Forscher so anders aus, dass man sie zunächst für eine eigene Art hielt – den „Wollpinguin“. Erst später erkannte man, dass es sich einfach um Jungvögel handelt.

Mensch und Königspinguin

Königspinguine zählen zu den Pinguinarten, die durch den Klimawandel besonders bedroht sind. Eine Studie französischer Wissenschaftler zeigt, dass ihre extreme Anpassung an den antarktischen Lebensraum sie paradoxerweise besonders verwundbar macht: Wenn sich Wassertemperaturen und Strömungen verändern, finden sie möglicherweise nicht mehr genug Nahrung.

Die gute Nachricht: Königspinguine gehören mit rund 2,2 Millionen Brutpaaren zu den häufigeren Pinguinarten. Doch die langfristigen Prognosen geben Anlass zur Sorge. Umso wichtiger ist der Schutz ihrer Lebensräume und die Begrenzung der Erderwärmung.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet man Königs- und Kaiserpinguin?

Der Königspinguin ist kleiner (80–100 cm vs. über 100 cm), schlanker und hat deutlich kräftigere orangefarbene Kopfzeichnungen. Der Kaiserpinguin ist massiger und hat nur eine dezente Orangetönung am Hals.

Warum dauert die Aufzucht so lange?

Mit 12–13 Monaten hat der Königspinguin die längste Aufzuchtzeit aller Pinguinarten. Der Grund: Die Küken müssen einen harten Winter überstehen, in dem sie kaum gefüttert werden können, bevor sie im Frühjahr aufgepäppelt und flügge werden.

In welchen Zoos kann man Königspinguine sehen?

In Deutschland kannst du Königspinguine unter anderem im Zoologischen Garten Berlin, bei Hagenbeck in Hamburg, im Tierpark Hellabrunn München, in der Wilhelma Stuttgart und im Zoo Wuppertal besuchen. Auch der Zoo Zürich und der Zoo Basel in der Schweiz halten diese Art.