Kaiserpinguin: Steckbrief, Lebensraum und überraschende Fakten

Kaiserpinguin mit Küken auf antarktischem Eis

Mitten in der Antarktis, stockdunkel, der Wind peitscht mit über 100 km/h über das Eis und das Thermometer zeigt minus 40 Grad. Kein Mensch würde hier freiwillig draussen bleiben – doch genau hier bringt der Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri) seinen Nachwuchs zur Welt. Willkommen in der Welt des größten Pinguins unseres Planeten.

Steckbrief

Steckbrief: Kaiserpinguin

Wissenschaftlicher NameAptenodytes forsteri
Englischer NameEmperor Penguin
Größeüber 100 cm (bis 130 cm)
Gewicht30 – 50 kg
Lebenserwartungbis zu 20 Jahre
LebensraumPackeisgürtel rund um den antarktischen Kontinent
NahrungFisch, Krill, Tintenfisch
Bestandca. 595.000 Individuen (gefährdet)

Mit über einem Meter Körpergröße und einem Gewicht von bis zu 50 Kilogramm ist der Kaiserpinguin ein echter Koloss unter den Pinguinen. Sein Gefieder schimmert am Rücken blauschwarz, die Brust leuchtet weiß und am Hals zieht sich eine zarte, schwach orangefarbene Färbung entlang. Diese Farbgebung ist dezenter als beim eng verwandten Königspinguin, der deutlich kräftigere Orangetöne trägt.

Lebensraum

Der Kaiserpinguin lebt ausschließlich in der Antarktis – genauer gesagt auf dem Packeisgürtel, der den gesamten Kontinent umgibt. Anders als viele andere Pinguinarten brütet er nicht auf festem Land, sondern direkt auf dem Meereis.

Verbreitungskarte Antarktis

Das klingt erst einmal verrückt, hat aber einen guten Grund: Auf dem Packeis gibt es keine Raubtiere an Land, die den Eiern oder Küken gefährlich werden könnten. Dafür müssen die Tiere im März teilweise viele hundert Kilometer über das Eis wandern, um ihre Brutkolonien zu erreichen.

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Wusstest du schon?

Kaiserpinguine können bis zu 565 Meter tief tauchen und dabei über 20 Minuten unter Wasser bleiben. Damit sind sie die Rekordhalter unter allen Pinguinarten – und übertreffen sogar viele Meeressäuger!

Ernährung

Kaiserpinguine sind geschickte Jäger unter Wasser. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Fische, Krill und Tintenfische. Um an ihre Beute zu gelangen, tauchen sie in eiskalte Gewässer ab – manchmal mehrere hundert Meter tief.

Wenn ein Elternteil von der Jagd zurückkehrt, bringt es bis zu drei Kilogramm vorverdauten Fisch im Magen mit. Diese Mahlzeit wird dann an das hungrige Küken weiterverfüttert. Wenn ich das meinen Schülern erzähle, staunen sie immer über dieses perfekt abgestimmte System der Nahrungsversorgung.

Fortpflanzung

Das Brutverhalten des Kaiserpinguins ist einzigartig in der gesamten Tierwelt. Während alle anderen Vögel den warmen Sommer für die Aufzucht nutzen, brüten Kaiserpinguine mitten im härtesten antarktischen Winter.

Der Zeitplan sieht so aus: Im Alter von drei bis sechs Jahren werden Kaiserpinguine geschlechtsreif. Anfang April beginnt die Balz- und Paarungszeit. Im Mai oder Juni – wenn es in der Antarktis am kältesten und dunkelsten ist – legt das Weibchen ein einzelnes weißes Ei, das etwa 450 Gramm wiegt.

Direkt nach der Eiablage übergibt das Weibchen das Ei dem Männchen und marschiert zurück zum Meer. Dort frisst sie sich genügend Speck an, um später die erste echte Mahlzeit für das Küken mitbringen zu können.

Das Männchen bleibt zurück und brütet. 64 Tage lang. Bei Temperaturen von minus 40 Grad und eisigen Stürmen. In dieser Zeit trägt es das Ei auf seinen Füßen, geschützt von einer warmen Bauchfalte. Die Männchen drängen sich dabei eng aneinander und wechseln regelmäßig ihre Position – so steht jedes Tier mal am schützenden Innern und mal am kalten Rand der Kolonie. Wie genau Brut, Mauser und Jagd im Jahresverlauf zusammenhängen, zeigt unsere Pinguin-Zeitrechnung.

Während dieser brutalen Wartezeit verliert das Männchen etwa ein Drittel seines Körpergewichts. Trotzdem kann es dem frisch geschlüpften Küken mit einem speziellen Magensekret die allererste Mahlzeit geben – eine Art Pinguinmilch.

Die Küken

Mitte Juli schlüpfen die Küken – bei Temperaturen um minus 40 Grad. Wenige Stunden nach der Geburt öffnen die Kleinen ihre Augen und heben bereits ihr Köpfchen. Kaiserpinguin-Küken sind unverwechselbar: Sie tragen einen grauen, kuscheligen Flaum, haben ein schwarzes Köpfchen und einen weißen Ring unter den Augen.

Sobald das Weibchen vom Meer zurückkehrt, bekommt das Küken seine erste richtige Fischmahlzeit. Ab jetzt wechseln sich die Eltern ab: Einer füttert, der andere jagt. Und jetzt zeigt sich der Vorteil der Winter-Strategie – denn nun ist Sommer, das Eis bricht auf und der Weg zum Meer wird für die Eltern deutlich kürzer.

Mit etwa fünf Wochen bilden die Küken sogenannte „Kindergärten“: Sie stehen dicht gedrängt zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen, während beide Eltern auf Nahrungssuche gehen. Nach rund sechs Monaten – im Januar, also mitten im antarktischen Hochsommer – mausern sich die Jungvögel und verlassen die Kolonie, um erst Jahre später an ihren Geburtsort zurückzukehren.

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Wusstest du schon?

Anders als der nah verwandte Königspinguin, der nur zwei Brutzyklen in drei Jahren schafft, brütet der Kaiserpinguin jedes Jahr. Sein Trick: Die Küken schlüpfen im Winter und sind bis zum Sommer bereit fürs Meer – so bleibt genug Zeit für die nächste Runde.

Bedrohung und Schutz

Die größte Gefahr für den Kaiserpinguin ist der Klimawandel. Steigende Temperaturen lassen das Meereis schmelzen – genau jenes Eis, auf dem diese Art brütet. Wenn das Packeis zu früh aufbricht, können Küken ins Wasser fallen, bevor sie ihr wasserabweisendes Gefieder entwickelt haben.

Zusätzlich bedrohen Überfischung und Veränderungen in der Krillpopulation die Nahrungsgrundlage der Kaiserpinguine. Internationale Schutzprogramme arbeiten daran, Meeresschutzgebiete in der Antarktis auszuweiten.

Die Art wurde 1820 durch Admiral Fabian Gottlieb von Bellingshausen entdeckt und hat seitdem Menschen weltweit in ihren Bann gezogen – nicht zuletzt durch den Dokumentarfilm „Die Reise der Pinguine“.

Häufige Fragen zum Kaiserpinguin

Wie groß wird ein Kaiserpinguin?

Ausgewachsene Kaiserpinguine erreichen eine Körpergröße von über 100 cm, manche Exemplare sogar bis zu 130 cm. Damit sind sie die größten lebenden Pinguine der Welt.

Warum brüten Kaiserpinguine im Winter?

Die Brutzeit im Winter hat einen cleveren Grund: Wenn die Küken nach rund sechs Monaten flügge werden, ist Hochsommer. Das Meereis ist aufgebrochen und der Weg zum Meer kurz – genau dann, wenn die heranwachsenden Pinguine am meisten Nahrung brauchen.

Wo kann man Kaiserpinguine im Zoo sehen?

Kaiserpinguine sind in Zoos extrem selten. Weltweit halten nur wenige Einrichtungen, etwa SeaWorld in San Diego, diese anspruchsvolle Art. In deutschen Zoos wirst du eher den verwandten Königspinguin antreffen.

Wie unterscheidet sich der Kaiserpinguin vom Königspinguin?

Der Kaiserpinguin ist deutlich größer (bis 130 cm vs. 100 cm) und schwerer (bis 50 kg vs. 20 kg). Außerdem hat der Königspinguin kräftigere Orangeflecken am Kopf, während der Kaiserpinguin nur eine dezente orangefarbene Halstönung besitzt.

Ist der Kaiserpinguin bedroht?

Ja, der Kaiserpinguin gilt als gefährdet. Der Hauptgrund ist der Klimawandel, der das Meereis in der Antarktis schmelzen lässt. Wissenschaftler befürchten, dass bis Ende des Jahrhunderts viele Kolonien verschwinden könnten.