Der Humboldtpinguin: Überlebenskünstler am Humboldtstrom
Während die meisten Menschen bei Pinguinen sofort an Eis und Schnee denken, lebt der Humboldtpinguin (Spheniscus humboldti) an einem Ort, der so gar nicht ins Bild passt: an der sonnigen Westküste Südamerikas. Von Chile bis nach Peru trotzt er Wüstenhitze, nistete einst in Bergen aus Vogelkot und kämpft heute ums Überleben. Seine Geschichte ist aufschlussreich, dramatisch und leider auch ein Stück weit traurig.
Wer ist der Humboldtpinguin?
Steckbrief: Humboldtpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Spheniscus humboldti |
| Englischer Name | Humboldt Penguin |
| Größe | ca. 55 cm |
| Gewicht | 4 – 5 kg |
| Lebenserwartung | ca. 10 Jahre |
| Lebensraum | Westküste Südamerikas (Chile bis Peru) |
| Nahrung | Sardinen, Sardellen, kleine Schwarmfische |
| Bestand | ca. 12.000 Brutpaare (gefährdet) |
Benannt ist dieser Pinguin nach dem berühmten deutschen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt – genauer gesagt nach dem Humboldtstrom, jener kalten Meeresströmung, die entlang der südamerikanischen Küste fließt und dem Pinguin sein Jagdrevier liefert.
Optisch ähnelt der Humboldtpinguin stark seinem Verwandten, dem Magellanpinguin. Der entscheidende Unterschied: Dem Humboldtpinguin fehlt das zweite schwarze Brustband. Unter dem weißen Kehlbereich verläuft nur ein einziges schwarzes Band, das sich an den Flanken nach unten zieht. Auf dem Bauch zeigen sich kleine schwarze Tupfer.
Noch ein Detail für Kenner: Am Schnabelansatz ist der Humboldtpinguin rosa gefärbt. Beim verwandten Brillenpinguin dagegen beschränkt sich die Rosa-Färbung auf die Augenpartie. Die Jungtiere tragen ein helleres Schwarz, und ihnen fehlt das charakteristische Brustband noch komplett.
Ein Tag im Leben eines Humboldtpinguins
Morgens geht es früh ins Meer. Der kalte Humboldtstrom bringt nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche und lockt riesige Schwärme von Sardinen und Sardellen an. Genau darauf hat es unser Pinguin abgesehen.
An Land kehrt er abends zu seinem Nistplatz zurück. Und der befindet sich an einem ungewöhnlichen Ort: Humboldtpinguine graben ihre Höhlen in Guano – also in die dicken Schichten aus Vogelkot, den ihre Vorfahren über Jahrhunderte hinterlassen haben. Dieser natürliche Baustoff bietet kühlen Schutz vor der Sonne und isoliert gleichzeitig gegen Kälte in der Nacht.
Wusstest du schon?
Guano – der Vogelkot, in dem Humboldtpinguine nisten – war im 19. Jahrhundert so begehrt als Dünger, dass darum sogar Kriege geführt wurden. Der massive Abbau zerstörte die Nistplätze der Pinguine und ist bis heute eine der Hauptursachen für ihren Rückgang.
Besonders gut lässt sich am Humboldtpinguin zeigen, wie Anpassung an ein trockenes, warmes Habitat funktioniert. Nackte Hautstellen im Gesicht helfen ihm, überschüssige Wärme abzugeben – ein Mechanismus, den Pinguine in der eisigen Antarktis nicht brauchen. Ein tolles Beispiel, das ich im Unterricht gerne verwende.
Vom Ei zum Pinguin
Humboldtpinguine legen wie die meisten Pinguinarten zwei Eier. Gebrütet wird in den selbst gegrabenen Höhlen – sofern noch genügend Guano vorhanden ist. Wo der Mensch den Guano abgebaut hat, müssen die Tiere auf Ersatz ausweichen: Sandlöcher, Felsspalten oder Erdspalten dienen dann als Nistplatz.
Beide Eltern teilen sich die Brutpflege und wechseln sich beim Brüten und Füttern ab. Die Küken schlüpfen nach etwa 40 Tagen und werden in den ersten Wochen ständig behütet. Später bleiben sie am Nistplatz, während beide Eltern auf Nahrungssuche gehen.
Gefahren für den Humboldtpinguin
Der Humboldtpinguin gehört zu den am stärksten bedrohten Pinguinarten weltweit. Mehrere Faktoren setzen ihm zu:
Guano-Abbau: Ohne die natürlichen Guano-Schichten können die Pinguine keine geschützten Höhlen graben. Ersatznistplätze bieten weniger Schutz vor Hitze und Raubtieren.
Überfischung: Sardinen und Sardellen sind nicht nur Pinguin-Futter, sondern auch für die Fischerei-Industrie interessant. Die Konkurrenz um die gleiche Beute wird immer schärfer.
El Niño: Das Klimaphänomen El Niño erwärmt den Humboldtstrom in unregelmäßigen Abständen und vertreibt die Fischschwärme. In El-Niño-Jahren bricht die Nahrungsversorgung für die Pinguine regelrecht zusammen.
Klimawandel: Langfristig steigende Meerestemperaturen verstärken die Probleme und könnten El-Niño-Ereignisse häufiger machen.
Was du tun kannst
Die gute Nachricht: In Zoos ist der Humboldtpinguin bestens vertreten. In Deutschland kannst du ihn in über 20 Zoos besuchen – von Berlin über Köln bis München. Auch im niederländischen Burgers' Zoo in Arnheim lebt eine grosse Humboldtpinguin-Kolonie, die einen Besuch wert ist. Viele dieser Einrichtungen beteiligen sich an Zuchtprogrammen, die den Bestand langfristig sichern sollen.
Wenn du den Humboldtpinguin in freier Wildbahn unterstützen möchtest, achte auf nachhaltig gefangenen Fisch und unterstütze Organisationen, die sich für den Schutz der südamerikanischen Küstengewässer einsetzen. Jeder kleine Beitrag hilft diesen Überlebenskünstlern am Humboldtstrom.
Häufige Fragen
An der Westküste Südamerikas, von Chile bis Peru. Er besiedelt felsige Küstenabschnitte entlang des kalten Humboldtstroms, der ihm sein Nahrungsangebot sichert.
Beide sehen sich sehr ähnlich. Der einfachste Unterschied: Beim Humboldtpinguin ist der Schnabelansatz rosa gefärbt, beim Brillenpinguin dagegen nur die Haut rund um die Augen.
Mehrere Faktoren wirken zusammen: der Abbau von Guano (Nistplätze), Überfischung (Nahrung), das Klimaphänomen El Niño und der langfristige Klimawandel. Mit nur rund 12.000 Brutpaaren gilt die Art als gefährdet.