Der Haubenpinguin und sein Leben auf einsamen Inseln
Was macht den Haubenpinguin so besonders?
Der Haubenpinguin trägt seinen Namen zurecht: Von der Schnabelbasis aus verlaufen leuchtend gelb-orange Federn über den Kopf nach hinten – wie eine prächtige Haube. Dazu kommen weiße Wangen und eine weiße Kehle, die ihn von den meisten anderen Schopfpinguinen unterscheiden.
Sein englischer Name „Royal Penguin“ klingt geradezu majestätisch – und wenn du einen Haubenpinguin mit aufgestelltem Federschmuck siehst, verstehst du sofort warum. Wissenschaftlich heisst er Eudyptes schlegeli, benannt nach dem deutsch-niederländischen Zoologen Hermann Schlegel.
Steckbrief: Haubenpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Eudyptes schlegeli |
| Größe | ca. 60 – 70 cm |
| Gewicht | ca. 4 – 6 kg |
| Lebensraum | Macquarie Island und benachbarte subantarktische Inseln |
| Nahrung | Krill, kleine Fische, Tintenfische |
| Bestand | ca. 1,7 Millionen Tiere – potenziell gefährdet (near threatened) |
Wo lebt der Haubenpinguin?
Fast die gesamte Weltpopulation des Haubenpinguins brütet auf einer einzigen Insel: Macquarie Island. Diese liegt auf halbem Weg zwischen Neuseeland und der Antarktis, mitten im stürmischen Südlichen Ozean. Eine kleine Anzahl von Brutpaaren findet sich außerdem auf einigen Nachbarinseln.
Macquarie Island ist ein UNESCO-Weltnaturerbe und bietet dem Haubenpinguin genau das, was er braucht: felsige Küsten, an denen er seine Kolonien anlegen kann, und kalte, nährstoffreiche Gewässer mit reichlich Nahrung. Menschliche Besiedlung gibt es dort nicht – nur eine australische Forschungsstation.
Wie verläuft die Brutsaison?
Im Frühjahr der Südhalbkugel, also im September, treffen die ersten Haubenpinguine an den Stränden von Macquarie ein. Innerhalb weniger Wochen bilden sich riesige Brutkolonien mit bis zu 160.000 Paaren. Die Tiere stehen dabei so dicht, dass sich benachbarte Nester fast berühren.
Im Oktober legt das Weibchen zwei Eier. Das erste ist deutlich kleiner als das zweite und wird in den meisten Fällen nicht ausgebrütet. Biologen vermuten, dass dieses Verhalten – ähnlich wie beim Kronenpinguin – ein Relikt aus der Evolutionsgeschichte ist. Nur das größere, zweite Ei hat realistische Chancen.
Wusstest du schon?
Haubenpinguine legen pro Brutsaison Hunderte Kilometer im Wasser zurück, um Nahrung für ihre Küken zu finden. Nach der Brutzeit paddeln manche Individuen sogar bis an die Küsten Neuseelands – das sind über 1.500 Kilometer von ihrer Heimatinsel entfernt.
Was frisst der Haubenpinguin?
Auf dem Speiseplan stehen vor allem Krill, kleine Fische und Tintenfische. Haubenpinguine sind geschickte Taucher, die in den kalten, planktonreichen Gewässern rund um Macquarie Island jagen. Ihre Tauchtiefe beträgt üblicherweise zwischen 20 und 60 Metern.
Besonders in der Phase, in der Küken gefüttert werden müssen, sind die Eltern praktisch dauerhaft unterwegs. Einer bleibt am Nest, der andere ist auf See. Nach der Rückkehr wird die vorverdaute Nahrung direkt ins Schnäbelchen der Küken gewürgt – klingt unappetitlich, ist aber äußerst effizient.
Wie entwickeln sich die Küken?
Die Küken schlüpfen nach etwa 35 Tagen und sind zunächst mit dichtem, bräunlich-grauem Daunengefieder bedeckt. Ende Januar, also nach rund drei Monaten, werden sie flügge und gehen erstmals eigenständig auf Nahrungssuche. Von den überlebenden Jungvögeln wird es fünf bis sechs Jahre dauern, bis sie selbst zum ersten Mal brüten.
Im März kehren auch die erwachsenen Tiere an den Strand zurück – diesmal nicht zum Brüten, sondern zum Mausern. In dieser Phase, die etwa drei Wochen dauert, können die Pinguine nicht ins Wasser, weil ihr Gefieder vorübergehend nicht wasserdicht ist. Ende April verlassen sie Macquarie endgültig und verbringen den Winter auf offener See.
Gefährdung und Naturschutz
Mit rund 1,7 Millionen Tieren ist der Haubenpinguin glücklicherweise nicht akut vom Aussterben bedroht. Die IUCN stuft ihn als „near threatened“ (potenziell gefährdet) ein. Das liegt vor allem daran, dass fast die gesamte Population auf einer einzigen Insel brütet – eine Katastrophe dort könnte die Art massiv treffen.
Bemerkenswert am Haubenpinguin ist vor allem seine Treue zum Brutplatz. Jedes Jahr dieselbe Insel, oft sogar derselbe Felsen. In einer Welt, in der sich Lebensräume rapide verändern, zeigt das sowohl die Stärke als auch die Verletzlichkeit dieser Art. Wenn du mehr über verwandte Schopfpinguine erfahren möchtest, schau dir den Snarespinguin oder den Goldschopfpinguin an.