Goldschopfpinguin: Der Macaroni mit der gelben Krone
Es gibt eine Pinguinart, die in Kolonien von über 100.000 Brutpaaren lebt, leuchtend gelbe Federkronen trägt und deren Name auf eine modische Bewegung des 18. Jahrhunderts zurückgeht. Die Rede ist vom Goldschopfpinguin (Eudyptes chrysolophus), im Englischen besser bekannt als „Macaroni Penguin“. Sein Name geht auf die „Macaroni“-Dandys zurück – junge Engländer, die nach ihrer Italienreise mit extravaganten Frisuren und bunten Federn prahlen.
Steckbrief: Goldschopfpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Eudyptes chrysolophus |
| Größe | ca. 55 cm |
| Gewicht | ca. 4,5 kg |
| Lebensraum | Subantarktische Inseln, Antarktische Halbinsel |
| Nahrung | Krill, kleine Fische, Tintenfische |
| Bestand | Gefährdet (ca. 6,3 Millionen Brutpaare, stark rückläufig) |
Die Geschichte hinter dem Namen
Im 18. Jahrhundert bezeichnete man in England junge Männer, die sich besonders extravagant kleideten, als „Macaroni“. Sie trugen übergroße Perücken und bunte Federn – ganz ähnlich dem auffälligen Federschopf dieses Pinguins. Als britische Seefahrer die Vögel entdeckten, war der Name schnell gefunden.
Im Deutschen hat sich dagegen der beschreibendere Name „Goldschopfpinguin“ durchgesetzt. Und tatsächlich: Die leuchtend gelben bis orangefarbenen Federn, die von der Stirn nach hinten über die Augen verlaufen, sehen aus wie eine goldene Krone. Zusammen mit dem kräftigen roten Schnabel ergibt sich ein wirklich prächtiges Erscheinungsbild.
Leben in der Massengesellschaft
Was an Goldschopfpinguinen sofort auffällt, ist die schiere Größe ihrer Kolonien. Auf Südgeorgien beispielsweise brüten an manchen Stellen über 100.000 Paare dicht an dicht. Der Lärm ist ohrenbetaubend, der Geruch intensiv – aber die Tiere fühlen sich offenbar wohl. Mit über 6 Millionen Brutpaaren weltweit ist der Goldschopfpinguin die zahlreichste aller Pinguinarten.
Allerdings ist „zahlreich“ nicht gleichbedeutend mit „sicher“. Die Bestände sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken, weshalb die Art mittlerweile als „gefährdet“ eingestuft wird.
Das Brutgeschäft: Nur ein Küken hat eine Chance
Goldschopfpinguine werden mit etwa sechs Jahren geschlechtsreif. Die Männchen treffen zuerst am Brutplatz ein und besetzen den Nistplatz des Vorjahres. Dann bauen sie ein einfaches Nest aus Steinen und Stöckchen. Etwa drei Wochen später folgen die Weibchen und legen zwei Eier.
Und jetzt wird es biologisch interessant: Das erste Ei ist deutlich kleiner als das zweite. In der Regel überlebt nur das Küken aus dem größeren, zweiten Ei. Biologen nennen dieses Phänomen „obligate Brutreduktion“ (obligate brood reduction). Warum die Weibchen trotzdem zwei Eier legen, ist bis heute nicht abschließend geklärt – möglicherweise dient das erste Ei als Versicherung, falls das zweite beschädigt wird.
Wusstest du schon?
Goldschopfpinguine verbringen sechs Monate am Stück auf dem offenen Meer, ohne jemals Land zu betreten. In dieser Zeit legen sie Strecken von bis zu 11.700 Kilometern zurück – hauptsächlich im Indischen Ozean und in antarktischen Gewässern. Erst zur nächsten Brutsaison kehren sie an Land zurück.
Abenteuer auf hoher See
Außerhalb der Brutzeit leben Goldschopfpinguine ausschließlich im Meer. Die Partner gehen dabei getrennte Wege und treffen sich erst in der nächsten Saison wieder am selben Nistplatz. Ihre Hauptnahrung besteht aus Krill, kleinen Fischen und Tintenfischen.
Da die Elterntiere während der Brutzeit oft länger als einen Tag auf See sind, wird das Küken nur einmal täglich gefüttert. Es muss schnell wachsen, denn von Oktober bis März sind die Erwachsenen am Brutplatz – danach ist das Jungtier auf sich allein gestellt.
Bedrohung und Zukunft
Der Rückgang der Goldschopfpinguine hängt eng mit der Erwärmung der Ozeane zusammen. Weniger Krill bedeutet weniger Nahrung – und damit weniger erfolgreiche Bruten. Auch die zunehmende Fischerei in subantarktischen Gewässern stellt eine Bedrohung dar.
In Zoos kannst du Goldschopfpinguine nur selten sehen – sie sind anspruchsvolle Pfleglinge. Einige wenige Einrichtungen wie der Zoo Edinburgh und der Biodôme de Montréal halten kleine Gruppen. Ein Besuch dort lohnt sich, wenn du diese auffälligen Vögel aus der Nähe erleben willst.
Verwandte Arten
Der Goldschopfpinguin gehört zur Gattung der Schopfpinguine (Eudyptes). Seine nächsten Verwandten sind der Felsenpinguin, der Kronenpinguin und der Haubenpinguin. Alle Schopfpinguine tragen auffällige Federkronen, doch beim Goldschopfpinguin sind die gelben Federn besonders breit und leuchtend – eine echte Krone eben.