Gelbaugenpinguin: Einer der seltensten Pinguine der Welt

Gelbaugenpinguin am Strand von Neuseeland

Manche Pinguine leben in riesigen Kolonien mit Hunderttausenden Artgenossen. Der Gelbaugenpinguin macht es anders. Er ist ein Einzelgänger, der am liebsten im dichten Unterholz neuseeländischer Küstenwälder brütet – versteckt und zurückgezogen. Genau diese scheue Lebensweise macht ihn einzigartig und gleichzeitig sehr verwundbar.

Seinen Namen verdankt er einem leuchtend gelben Streif, der sich von den bernsteinfarbenen Augen über den Hinterkopf zieht. Die Maori nennen ihn „Hoiho“, was so viel wie „Lärmrufer“ bedeutet – obwohl er eigentlich eher ruhig und zurückhaltend ist.

Steckbrief: Gelbaugenpinguin

Wissenschaftlicher NameMegadyptes antipodes
Größeca. 60 – 65 cm
Gewicht5 – 7 kg
LebensraumSüdliches Neuseeland, Auckland- und Campbell-Inseln
NahrungFische (v. a. Blauer Dorsch), Tintenfische
Bestandca. 4.000 Tiere – stark gefährdet (endangered)

Aussehen: Unverwechselbar dank gelber Augen

Der Gelbaugenpinguin ist mit rund 60 bis 65 Zentimetern etwa so groß wie ein Eselspinguin. Was ihn unverwechselbar macht, ist das hellgelbe Band, das sich wie eine Brücke von einem Auge zum anderen über den Hinterkopf spannt. Die Iris selbst leuchtet in warmem Bernsteingelb.

Rücken und Flossen sind schieferblau bis schwarz gefärbt, der Bauch ist weiß. Im Vergleich zu vielen anderen Pinguinarten wirkt der Gelbaugenpinguin etwas schlanker und aufrechter – er hat eine fast würdevolle Haltung.

Ein Pinguin, der keine Kolonien bildet

Biologisch ist das wirklich bemerkenswert: Die allermeisten Pinguine sind hochsoziale Tiere, die in dicht gedrängten Kolonien leben. Der Gelbaugenpinguin bricht mit dieser Regel. Er brütet als einzige Pinguinart nicht in Kolonien, sondern sucht sich einen versteckten Platz im Küstenwald – gerne hinter Farnbüschen oder umgestürzten Baumstämmen.

Die Pärchen bleiben häufig über Jahre zusammen und kehren immer wieder zum selben Nestplatz zurück. Außerhalb der Brutzeit entfernen sie sich selten länger als eine Woche von ihrem Revier. Gelbaugenpinguine sind echte Standvögel – das Gegenteil eines Kaiserpinguins, der Hunderte Kilometer übers Eis wandert.

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Wusstest du schon?

Gelbaugenpinguine sind so scheu, dass allein die Anwesenheit von Menschen in Nestnähe dazu führen kann, dass die Brut aufgegeben wird. In Neuseeland gibt es deshalb spezielle Beobachtungshütten, aus denen du die Tiere beobachten kannst, ohne sie zu stören.

Brutverhalten: Zwei Eier, viel Geduld

Das Weibchen legt meistens zwei Eier, die dann rund sieben Wochen lang von beiden Eltern abwechselnd bebrütet werden. Die Brut verläuft allerdings nur erfolgreich, wenn die Tiere während dieser Zeit nicht gestört werden. Schon ein neugieriger Hund oder ein zu naher Tourist kann das Nest zum Scheitern bringen.

Nach dem Schlüpfen dauert es etwa 100 Tage, bis die Küken selbstständig sind. In der Biologie nennt man diese Phase „Flüggewerden“ – auch wenn Pinguinküken natürlich nicht fliegen lernen, sondern schwimmen.

Gefährdung: Warum der Gelbaugenpinguin vom Aussterben bedroht ist

Der Gelbaugenpinguin zählt zu den seltensten Pinguinarten überhaupt. Anfang der 1990er Jahre war sein Bestand auf nur rund 2.000 Brutpaare geschrumpft. Der Hauptgrund: Die Rodung von Küstenwäldern hatte seinen Lebensraum massiv zerstört.

Heute kommen weitere Bedrohungen hinzu: eingeschleppte Raubtiere wie Hermeline und verwilderte Katzen, Beifang in Fischernetzen und Krankheiten. Die neuseeländische Regierung und verschiedene Naturschutzorganisationen arbeiten intensiv daran, den Bestand zu stabilisieren – unter anderem durch die Wiederaufforstung von Küstenvegetation.

Im Bio-Unterricht nutze ich den Gelbaugenpinguin oft als Beispiel dafür, wie fragil das Gleichgewicht zwischen einer spezialisierten Tierart und ihrem Lebensraum ist. Wenn du jemals nach Neuseeland reist, nimm dir die Zeit, diese ungewöhnlichen Pinguine aus sicherer Entfernung zu beobachten – es lohnt sich.

Lebensraum: Südliches Neuseeland und vorgelagerte Inseln

Der Gelbaugenpinguin besiedelt die Südostküste der neuseeländischen Südinsel sowie die subantarktischen Auckland- und Campbell-Inseln. Er bevorzugt felsige Küsten mit angrenzendem Wald, denn er braucht die Vegetation als Deckung für seine Nester.

Verbreitungskarte Neuseeland

Im Gegensatz zu vielen anderen Pinguinen unternimmt er keine langen Wanderungen. Seine Nahrungsflüge führen ihn selten weiter als 20 bis 30 Kilometer von der Küste weg. Er taucht dabei bis zu 120 Meter tief – bevorzugt aber Tiefen um die 40 Meter.