Der Galapagospinguin: Pinguine fast am Äquator

Galápagospinguin auf Lavagestein

Pinguine und tropische Hitze – passt das zusammen? Beim Galápagospinguin (Spheniscus mendiculus) auf jeden Fall. Diese ungewöhnliche Art lebt auf den Galápagosinseln, rund 1.000 Kilometer vor der Küste Ecuadors, und ist damit der einzige Pinguin, dessen Verbreitungsgebiet bis nördlich des Äquators reicht. Im Unterricht ist das immer ein gutes Beispiel dafür, dass Evolution manchmal überraschende Wege geht.

Steckbrief: Galápagospinguin

Wissenschaftlicher NameSpheniscus mendiculus
Größeca. 40 cm
Gewichtca. 2,5 kg
LebensraumGalápagosinseln (Ecuador)
NahrungSardinen, Meeräschen, kleine Schwarmfische
BestandStark gefährdet (ca. 1.200 Brutpaare)

Warum gibt es Pinguine am Äquator?

Die Antwort liegt im Meer. Der kalte Humboldtstrom und der Cromwell-Unterstrom bringen nährstoffreiches, kühles Wasser aus der Tiefe an die Westküste der Galápagosinseln. Dort, wo das kalte Wasser an die Oberfläche gelangt, ist die Wassertemperatur deutlich niedriger als man es am Äquator erwarten würde – perfekte Bedingungen für einen Pinguin.

Genau deshalb liegen die Brutkolonien fast ausschließlich im Westen der Inselgruppe, vor allem auf den Inseln Isabela und Fernándina. Dort ist das Wasser am kältesten und das Nahrungsangebot am reichsten.

Aussehen: Kompakt und wärmeangepasst

Mit nur rund 40 cm Größe und etwa 2,5 kg Gewicht gehört der Galápagospinguin zu den kleineren Pinguinarten. Er trägt ein weißes Kehlband, das bereits an den Augen beginnt, und darunter einen schmalen schwarzen Zierstreifen auf der Brust.

Sein Gefieder ist dünner als das seiner antarktischen Verwandten – eine wichtige Anpassung an das warme Klima. Zusätzlich besitzt er nackte Hautstellen im Gesicht, über die er Wärme abgeben kann. Wenn ihm besonders heiß wird, streckt er die Flossen vom Körper ab und hechelt – ganz ähnlich wie ein Hund.

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Wusstest du schon?

Galápagospinguine gehen tagsüber kaum freiwillig an Land. Um sich vor der äquatorialen Sonne zu schützen, verstecken sie sich in dunklen Felsritzen, Lavatunneln oder im dichten Wurzelgeflecht der Mangrovenwälder. Erst in den kühleren Abendstunden trauen sie sich hervor.

Fortpflanzung: Vom Humboldtstrom abhängig

Anders als die meisten Pinguinarten hat der Galápagospinguin keine feste Brutsaison. Stattdessen brütet er immer dann, wenn der kalte Humboldtstrom genügend Nahrung heranbringt. In guten Jahren kann ein Paar sogar zwei- bis dreimal brüten.

Die Weibchen legen zwei Eier in geschützte Felshöhlen oder Lavaritten. Beide Elternteile wechseln sich beim Brüten ab. Doch die Aufzucht ist ein Glücksspiel: Wenn das gefürchtete El-Niño-Klimaphänomen auftritt, erwärmt sich das Meerwasser, der kalte Humboldtstrom lässt nach, und die Nahrung wird knapp. In El-Niño-Jahren sterben viele Jungtiere und selbst erwachsene Pinguine verhungern.

Bedrohung: Ein Pinguin am Rande des Aussterbens

Der Galápagospinguin gehört zu den seltensten Pinguinarten der Welt. Sein Bestand umfasst nur noch etwa 1.200 Brutpaare – manche Schätzungen gehen von lediglich 2.000 bis 6.000 Individuen insgesamt aus. Die IUCN stuft ihn als „stark gefährdet“ (endangered) ein.

Die größten Bedrohungen sind El-Niño-Ereignisse, die in den letzten Jahrzehnten häufiger und intensiver geworden sind. Dazu kommen eingeführte Raubtiere wie Ratten und Katzen, die Eier und Küken fressen, sowie Krankheiten wie die Vogelmalaria, die durch Moskitos übertragen wird.

Als ich zum ersten Mal von den winzigen Bestandszahlen gelesen habe, war ich ehrlich erschrocken. Im Vergleich dazu hat der Humboldtpinguin an der südamerikanischen Westküste zwar auch Probleme, aber deutlich höhere Bestandszahlen. Beim Galápagospinguin zählt wirklich jedes einzelne Tier.

Schutzmaßnahmen

Die Galápagosinseln gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe und stehen unter strengem Schutz. Der Nationalpark arbeitet aktiv daran, eingeführte Raubtiere zu bekämpfen und die Brutgebiete der Pinguine zu sichern. Forscher überwachen die Population regelmäßig, um schnell auf Bestandsrückgänge reagieren zu können.

In Zoos wird der Galápagospinguin übrigens nicht gehalten. Die Art ist so selten und empfindlich, dass man sich auf den Schutz in freier Wildbahn konzentriert.

Verwandte Arten

Der Galápagospinguin gehört zur Gattung Spheniscus und ist damit eng verwandt mit dem Humboldtpinguin, dem Brillenpinguin und dem Magellanpinguin. Alle vier Arten leben in relativ warmen Regionen und teilen typische Anpassungen wie nackte Hautstellen zur Wärmeregulierung und ein vergleichsweise dünnes Federkleid. Mehr über die verschiedenen Lebensräume der Pinguine erfährst du auf unserer Übersichtsseite.