Dickschnabelpinguin: Neuseelands scheuer Regenwald-Bewohner
Ein Pinguin im Regenwald? Das klingt nach einem schlechten Witz, ist aber Realität. Der Dickschnabelpinguin (Eudyptes pachyrhynchus) – im Englischen „Fiordland Penguin“ genannt – lebt an der wilden Südwestküste Neuseelands, wo dichte Regenwälder bis ans Meer reichen. Hier brütet er versteckt unter Wurzeln, in Höhlen und zwischen dichtem Farn. Keine andere Pinguinart führt ein so zurückgezogenes Leben.
Auf einen Blick
Steckbrief: Dickschnabelpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Eudyptes pachyrhynchus |
| Englischer Name | Fiordland Penguin (Fiordland Crested Penguin) |
| Größe | 40 – 50 cm |
| Gewicht | 4 – 5 kg |
| Lebenserwartung | ca. 10 Jahre |
| Lebensraum | Südliches Neuseeland (Fjordland, Stewart Island) |
| Nahrung | Tintenfisch, Krill, kleine Fische |
| Bestand | ca. 5.500–7.000 Brutpaare (gefährdet) |
Merkmale und Aussehen
Der Dickschnabelpinguin gehört zur Familie der Schopfpinguine (Gattung Eudyptes). Wie alle Schopfpinguine trägt er auffällige gelbe Federschmücke über den Augen. Von seinen Nasenlöchern aus verlaufen blassgelbe Federn über die dunkelroten Augen entlang des Scheitels nach hinten.
Was ihn von seinen Verwandten unterscheidet, sind die weißen Streifen auf den Wangen – ein einzigartiges Merkmal, das bei keinem anderen Schopfpinguin vorkommt. Der Name „Dickschnabel“ bezieht sich auf seinen vergleichsweise robusten, kräftigen Schnabel.
Wusstest du schon?
Der Dickschnabelpinguin ist einer der wenigen Pinguine, die ganz allein oder in winzig kleinen Gruppen brüten. Während andere Arten Kolonien mit tausenden Tieren bilden, reicht diesem Einzelgänger ein ruhiges Plätzchen unter einer Baumwurzel.
Lebensraum und Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Dickschnabelpinguins ist auf das südliche Neuseeland beschränkt. Er besiedelt die zerklbüftete Küste des Fjordlands, die Südspitze der Südinsel und einige vorgelagerte Inseln wie Stewart Island und die Solander Islands.
Die Landschaft hier ist spektakulär: Steile Fjorde, moosbedeckte Regenwälder und felsige Küstenabschnitte prägen das Bild. Für einen Pinguin ist das eine ungewöhnliche Heimat – aber der Dickschnabelpinguin hat sich gut daran angepasst. Das zeigt mal wieder: Pinguine sind deutlich anpassungsfähiger, als die meisten Menschen denken.
Ernährung
Auf dem Speiseplan stehen vor allem Tintenfische, Krill und kleine Fische. Der Dickschnabelpinguin jagt im kühlen Wasser vor der neuseeländischen Küste, wo der nährstoffreiche Antarktische Zirkumpolarstrom für reichlich Nahrung sorgt.
Während der Brutzeit fasten die Männchen mehrere Wochen am Stück, während sie das Nest bewachen. Erst wenn das Weibchen von der Nahrungssuche zurückkehrt, können sie sich selbst auf den Weg ins Meer machen.
Brutverhalten
Die Brutsaison beginnt zwischen Juni und Juli. Anders als die meisten Pinguine, die in großen, lärmenden Kolonien brüten, bevorzugt der Dickschnabelpinguin Einzelnester oder sehr lockere Gruppen. Seine Brutplätze liegen versteckt in Höhlen, unter dichter Vegetation oder zwischen Baumwurzeln im Regenwald.
Das Nest selbst besteht aus Stöckchen und Pflanzenmaterial. Das Weibchen legt zwei Eier, doch in der Regel wird nur ein Küken erfolgreich aufgezogen – meistens das aus dem zweiten, größeren Ei. In den ersten drei Wochen nach dem Schlüpfen füttert das Weibchen den Nachwuchs allein, während das Männchen ständig beim Nest bleibt, um das Jungtier vor Fressfeinden zu schützen.
Bedrohung und Schutz
Der Dickschnabelpinguin gilt als gefährdet. Mit geschätzt 5.500 bis 7.000 Brutpaaren ist er eine der selteneren Pinguinarten. Die Hauptgefahren kommen an Land: Eingeschleppte Raubtiere wie Hermeline, Ratten und verwilderte Katzen plündern Nester und töten Küken.
Da der Dickschnabelpinguin einzeln oder in kleinen Gruppen brütet, kann ein einziger Fressfeind einen überproportional großen Schaden anrichten. Neuseeland investiert viel in die Bekämpfung invasiver Arten – Programme zur Entfernung von Ratten und Hermelinen auf Brutinseln zeigen bereits positive Ergebnisse.
Wusstest du schon?
Die Maori, Neuseelands indigene Bevölkerung, nennen den Dickschnabelpinguin „Tawaki“. Der Name geht auf eine Gottheit zurück und zeigt, welche kulturelle Bedeutung dieser scheue Vogel für die Ureinwohner Neuseelands hat.
Verwandte Arten
Der Dickschnabelpinguin gehört zur Gattung der Schopfpinguine (Eudyptes). Zu seinen nächsten Verwandten zählen der Snarespinguin, der Kronenpinguin, der Haubenpinguin, der Felsenpinguin und der Goldschopfpinguin. Alle tragen die charakteristischen gelben Federkränze über den Augen, unterscheiden sich aber in Größe, Verbreitungsgebiet und Verhalten.
Häufige Fragen
Der Name bezieht sich auf seinen vergleichsweise massigen, kräftigen Schnabel, der ihn von anderen Schopfpinguinen unterscheidet. Der wissenschaftliche Name pachyrhynchus bedeutet wörtlich „dicker Schnabel“.
Nein, der Dickschnabelpinguin wird außerhalb Neuseelands praktisch nicht in Zoos gehalten. Um ihn zu sehen, müsstest du das Fjordland an der Südwestküste Neuseelands besuchen – und selbst dort braucht man Geduld und Glück, denn er ist extrem scheu.
Der Snarespinguin sieht ähnlich aus, lebt aber ausschließlich auf den Snares-Inseln südlich von Neuseeland. Dem Dickschnabelpinguin fehlen die weißen Wangenstreifen nicht – ganz im Gegenteil, genau diese Streifen sind sein Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen Schopfpinguinen.