Der Brillenpinguin: Afrikas einziger Pinguin
Wenn du an Pinguine denkst, hast du vermutlich Eis und Schnee im Kopf. Doch der Brillenpinguin (Spheniscus demersus) lebt an den warmen Küsten Südafrikas – und ist damit die einzige Pinguinart auf dem afrikanischen Kontinent. Das zeigt ziemlich gut, wie anpassungsfähig diese Vögel tatsächlich sind.
Seinen Namen verdankt er übrigens der auffälligen rosa-farbenen Hautpartie rund um die Augen. Diese nackte Hautstelle sieht ein wenig aus wie eine Brille – und hilft dem Tier gleichzeitig dabei, überschüssige Körperwärme abzugeben. Im Englischen kennt man ihn als „African Penguin“ oder auch „Jackass Penguin“, weil sein Ruf an das Schreien eines Esels erinnert.
Steckbrief: Brillenpinguin
| Wissenschaftlicher Name | Spheniscus demersus |
| Größe | ca. 55 cm |
| Gewicht | ca. 4–5 kg |
| Lebensraum | Südküste Afrikas (Südafrika, Namibia) |
| Nahrung | Sardinen, Sardellen, kleine Schwarmfische |
| Bestand | Stark gefährdet (ca. 41.700 Brutpaare, Tendenz sinkend) |
Lebensraum: Zwischen Strand und Felsinseln
Brillenpinguine besiedeln die Süd- und Südwestküste Afrikas – von Namibia bis in die Nähe von Port Elizabeth in Südafrika. Ihre Kolonien liegen häufig auf vorgelagerten Inseln, doch manche Gruppen haben sich auch direkt am Festland niedergelassen. Am berühmten Boulders Beach bei Kapstadt kannst du Brillenpinguine sogar aus nächster Nähe beobachten, während sie sich zwischen Badegästen hindurchschlängeln.
Die Küstengewässer des Bengülastroms liefern ihnen kaltes, nährstoffreiches Wasser – ideal für die Jagd auf Schwarmfische. Doch genau diese Nahrungsquelle wird ihnen zunehmend streitig gemacht.
Ernährung: Jagd im kalten Benguelastrom
Brillenpinguine sind geschickte Taucher. Sie ernähren sich hauptsächlich von Sardinen und Sardellen, die sie in Tiefen von bis zu 30 Metern erbeuten. Ein einzelnes Tier kann bei einem Jagdausflug beachtliche Strecken zurücklegen.
Im Wasser bewegen sie sich mit bis zu 20 km/h fort – an Land hingegen watscheln sie eher gemächlich. Ihre stromlinienförmige Körperform und die kräftigen Flossen machen sie unter Wasser zu echten Profis.
Fortpflanzung: Höhlenbrüter mit Familiensinn
Im Gegensatz zu vielen antarktischen Verwandten graben Brillenpinguine mit ihren kräftigen Füßen 30 bis 90 cm tiefe Höhlen in den sandigen Boden. In diesen geschützten Nistplätzen ziehen sie ihre Jungen groß. Das Weibchen legt in der Regel zwei Eier, die von beiden Elternteilen abwechselnd bebrütet werden.
Die Küken schlüpfen mit einem dunklen, braunen Daunenkleid. Nach der ersten Mauser sehen die Jungtiere den Erwachsenen bereits ähnlich, lassen sich aber noch deutlich von den Alttieren unterscheiden – ihnen fehlt das charakteristische schwarze Brustband.
Wusstest du schon?
Brillenpinguine bleiben oft ein Leben lang mit demselben Partner zusammen. Außerdem kehren sie jedes Jahr zum selben Nistplatz zurück – echte Gewohnheitstiere also! Manche Paare sind seit über 10 Jahren dokumentiert.
Bedrohung: Warum der Brillenpinguin Hilfe braucht
Die Lage ist ernst. Noch vor 100 Jahren gab es über eine Million Brutpaare – heute sind es nur noch rund 41.700. Die Gründe sind vielfältig: Starker Schiffsverkehr und Ölverschmutzung machen den Tieren zu schaffen. Immer wieder geraten Brillenpinguine in Ölteppiche, die ihr Gefieder verkleben und sie flugunfähig machen.
Dazu kommt die Überfischung. Fischer und Pinguine jagen dieselben Fischbestände – und der Mensch zieht dabei meist den Längeren. Auch Plastikmüll in den Ozeanen wird für die Vögel zur tödlichen Falle.
Was bei der Recherche hängen bleibt, ist das Engagement von Organisationen wie SANCCOB in Südafrika, die sich für verölte Pinguine einsetzen. Bei der Havarie des Öltankers „Treasure“ im Jahr 2000 wurden über 19.000 Brillenpinguine gerettet – die größte Tierrettungsaktion der Geschichte.
Brillenpinguin vs. Humboldtpinguin: So unterscheidest du sie
Im Zoo stehen Besucher oft ratlos vor dem Gehege: Brillenpinguin oder Humboldtpinguin? Beide gehören zur Gattung der Brillenpinguine (Spheniscus) und sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Der entscheidende Unterschied liegt im Gesicht: Beim Humboldtpinguin ist der gesamte Schnabelansatz rosa gefärbt, beim Brillenpinguin dagegen nur die Augenpartie.
Außerdem tragen manche südafrikanischen Brillenpinguine zwei schwarze Streifen unter dem Kinn – beim Humboldtpinguin findest du das nicht.
Häufige Fragen zum Brillenpinguin
Seinen Namen verdankt er der rosafarbenen, nackten Hautstelle rund um die Augen. Diese erinnert optisch an eine Brille und hat zusätzlich eine wichtige Funktion: Über sie kann der Pinguin Wärme abgeben, was in seinem warmen Lebensraum entscheidend ist.
Brillenpinguine findest du in vielen deutschen Zoos, etwa im Allwetterzoo Münster (dort gibt es sogar einen Pinguinmarsch am Wochenende!), im Zoologischen Garten Berlin, im Zoo Duisburg, in der Wilhelma Stuttgart und im Zoo Wuppertal.
Ja, der Brillenpinguin gilt als „stark gefährdet“ (endangered). Sein Bestand ist in den letzten Jahrzehnten dramatisch gesunken. Hauptursachen sind Überfischung, Ölverschmutzung und der Verlust geeigneter Brutplätze.
In freier Wildbahn werden Brillenpinguine durchschnittlich etwa 10 Jahre alt. In Zoos, wo sie keine natürlichen Feinde haben und medizinisch versorgt werden, können sie deutlich älter werden – bis zu 25 Jahre und mehr.
Er gehört zur Gattung Spheniscus. Seine nächsten Verwandten sind der Humboldtpinguin, der Magellanpinguin und der Galápagospinguin. Alle vier Arten leben in vergleichsweise warmen Regionen.