Der Adéliepinguin: Klassiker der Antarktis
Wenn du an einen Pinguin denkst, denkst du wahrscheinlich an ihn: schwarz-weißer Frack, watschelnder Gang, neugieriger Blick. Der Adéliepinguin (Pygoscelis adeliae) ist das Vorbild für den „typischen Pinguin“, den jedes Kind kennt. Mit rund zehn Millionen Exemplaren gehört er zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Pinguinarten überhaupt – und trotzdem steckt er voller Überraschungen.
Steckbrief: Adéliepinguin
| Wissenschaftlicher Name | Pygoscelis adeliae |
| Englischer Name | Adélie Penguin |
| Größe | ca. 55 cm |
| Gewicht | 4 – 5 kg |
| Lebenserwartung | ca. 10 Jahre |
| Lebensraum | Küsten der Antarktis und umliegende Inseln |
| Nahrung | Krill, kleine Fische, Tintenfische |
| Bestand | ca. 10 Millionen Individuen (nicht gefährdet) |
Ein Pinguin namens Adélie
Den Namen verdankt dieser Pinguin einer Liebesgeschichte. Der französische Entdecker Jules Dumont d'Urville entdeckte die Art im Jahr 1840 und benannte sie – ebenso wie die gesamte Küstenregion (Adélie-Land) – nach seiner Frau Adélie. Eine romantische Geste, die bis heute in jedem Biologiebuch weiterlebt.
Erkennen kannst du den Adéliepinguin an drei Merkmalen: seinem komplett schwarzen Kopf, den auffälligen weißen Ringen um die Augen und seinem ebenfalls schwarzen Schnabel, dessen Wurzel mit kurzen schwarzen Federn bedeckt ist. Im Vergleich zum verwandten Eselspinguin wirkt er kleiner und kompakter.
Leben in der Antarktis
Der Adéliepinguin ist ein echtes Kind der Antarktis. Er besiedelt die Küsten des gesamten antarktischen Kontinents sowie die umliegenden Inseln. Damit lebt er weiter südlich als fast jede andere Pinguinart – nur der Kaiserpinguin wagt sich noch näher an den Südpol.
Die eisige Umgebung stellt extreme Anforderungen. Doch der Adéliepinguin hat einen Trick: Er nutzt den antarktischen Sommer mit seinen 24 Stunden Tageslicht perfekt aus. In dieser kurzen, intensiven Phase erledigt er Brut, Aufzucht und Mauser – ein straffer Zeitplan, der keinen Raum für Verzögerungen lässt.
Wusstest du schon?
Adéliepinguine sind notorische Steinediebe! Die Kieselsteine, aus denen sie ihre Nester bauen, sind in der Antarktis begehrte Mangelware. Sobald ein Nachbar nicht aufpasst, stibitzen sie ihm die besten Stücke. Forscher haben beobachtet, wie einzelne Pinguine systematisch Nester in der Nachbarschaft plünderten.
Von der Balz zum Küken
Wenn der antarktische Frühling beginnt, kehren die Adéliepinguine zu ihren Brutkolonien zurück – und das mit bemerkenswerter Ortsttreue. Sie bevorzugen genau den gleichen Brutplatz wie im Vorjahr. Die Männchen kommen zuerst und beginnen sofort, ein Nest aus Kieselsteinchen zu bauen.
Weibchen werden mit drei bis vier Jahren, Männchen mit vier bis sechs Jahren geschlechtsreif. In ihr Steinnest legen sie zwei Eier, die jeweils etwa 80 Gramm wiegen. Die Brutzeit ist mit nur sechs Wochen vergleichsweise kurz – der Adéliepinguin kann es sich nicht leisten, Zeit zu verschwenden.
Beim Brüten legt sich der Pinguin hin und wärmt beide Eier gleichzeitig in seiner Brutfalte. Anders als beim Kaiserpinguin, der nur ein einziges Ei legt, werden beim Adéliepinguin in der Regel beide Küken erfolgreich großgezogen.
Rasantes Wachstum
Die Küken wiegen bei der Geburt gerade einmal 100 Gramm. Doch dann legen sie ein enormes Tempo vor: Jeden Tag nehmen sie 75 Gramm zu. Bereits nach fünf Tagen haben sie ihr Geburtsgewicht verdoppelt – obwohl sie nur einmal täglich von einem Elternteil gefüttert werden.
Dieses Beispiel nehme ich im Unterricht gerne, um die Effizienz natürlicher Ernährungssysteme zu veranschaulichen. Ein menschliches Baby bräuchte für eine vergleichbare Gewichtszunahme Wochen statt Tage.
Anfangs sind die Küken grau, später werden sie braun. Im Alter von vier Wochen bilden sie „Kindergärten“ – dichte Gruppen, in denen sie sich gegenseitig wärmen, während beide Eltern jagen gehen. Nach nur neun Wochen sind die Jungvögel bereit fürs Meer. Zu diesem Zeitpunkt wiegen sie bereits 3,5 Kilogramm – das 35-fache ihres Geburtsgewichts.
Bedrohung und Bestand
Die gute Nachricht: Mit rund zehn Millionen Individuen ist der Adéliepinguin derzeit nicht gefährdet. Er ist die am weitesten verbreitete und häufigste Pinguinart rund um die Antarktis.
Allerdings reagiert auch er empfindlich auf Veränderungen in seinem Lebensraum. In einigen Regionen der westlichen Antarktischen Halbinsel, wo die Temperaturen am stärksten steigen, gehen die Bestände zurück. In anderen, kälteren Gebieten nehmen sie dagegen zu. Der Klimawandel verschiebt also sein Verbreitungsgebiet – mit noch ungewissem Ausgang.
Wusstest du schon?
Adéliepinguine verlassen die Kolonie erst bei einem Gewicht von 3,5 kg – obwohl sie bei der Geburt nur 100 g wiegen. Das entspricht einer Gewichtszunahme um den Faktor 35 in nur neun Wochen!
Häufige Fragen
Der französische Entdecker Jules Dumont d'Urville benannte die Art 1840 nach seiner Frau Adélie. Auch das Gebiet, in dem er die Pinguine entdeckte – Adélie-Land in der Antarktis – trägt ihren Namen.
Rund zehn Millionen Individuen leben rund um den antarktischen Kontinent. Damit ist der Adéliepinguin eine der häufigsten Pinguinarten weltweit.
Der Adéliepinguin hat einen komplett schwarzen Kopf mit weißen Augenringen und einen schwarzen Schnabel. Der Eselspinguin dagegen trägt einen weißen Kopfstreifen und hat einen leuchtend orangefarbenen Schnabel. Außerdem ist der Eselspinguin etwas größer und schwerer.
Adéliepinguine werden nur sehr selten in Zoos gehalten, da sie extrem spezialisierte Lebensbedingungen benötigen. Um sie zu sehen, müsstest du eine Antarktis-Expedition unternehmen – dort sind sie dann allerdings in riesigen Kolonien anzutreffen.