Pinguin-Icon Zeitungsbericht über Simon's Town

Auszug aus einem Zeitungsartikel

Viele Häuser in Boulders, dem Villenviertel von Simon's Town, sind mit Alarmanlagen und Stacheldraht umgeben. Einbrecher der Spezies Homo sapiens mag dies abhalten, nicht aber die Sorte Sphensius demersus, den Brillenpinguin. 'Wahrscheinlich können sie doch fliegen', vermutet Lesley Hanson-Moore, Anwohnerin des idyllischen Ortes in der Nähe von Kapstadt. Denn kein Tag vergeht, an dem nicht in irgendeinem Garten eine neue Grasmulde entstanden ist. 'Wir haben schon alles versucht, aber die Vögel finden immer wieder einen Weg durch die Umzäunungen.' Nun haben diese Pinguine die romantische Angewohnheit, ihr Leben lang zum selben Nest zurückzupilgern, Das mag den Vogelfreund freuen - der Gartenbesitzer dagegen schlägt beim Anblick seines zerpflügten und mit Exkrementen überzogenem Rasens die Hände über dem Kopf zusammen. 'Ein Hund muss her', hat sich so mancher Einwohner gedacht, bis zu dem Tag, als 'Hogan' aus seiner Hütte geworfen wurde. Der Pitbull hatte gegen einen aufdringlichen Pinguin das Tauziehen um seine Hundehütte verloren. Pinguine haben gefährliche Schnäbel und nicht jeder 'Hogan' ist ein Wrestling Meister. Woher die zutraulichen Brillenpinguine gekommen sind, weiß keiner. Mitte der achtziger Jahre war plötzlich das erste Pärchen da und beurteilte die Umweltbedingungen als 'hervorragend': Die Zahl der Fressfeinde hält sich in Grenzen, die Bucht wimmelt von Fischen und die großen Zweibeiner scheinen keine große Gefahr darzustellen. Das hat sich schnell herumgesprochen, denn mittlerweile hat sich eine Population von ca. 3.500 Tieren entwickelt. Allerdings ist es seit einiger Zeit 'aus' mit der Harmonie. Der Punkt 'Pinguin-Politik' steht bei Gemeindeversammlungen häufig ganz oben auf der Tagesordnung. Man kann die geschützten Tiere schließlich nicht einfach aus dem Ort verweisen, auch wenn dies einige Bewohner gern sehen würden. Denn der angerichtete Schaden und die Verunreinigungen sind erheblich. Doch auf der anderen Seite stehen die Tierschützer und die Tourismusbranche. Sie suchen nach Wegen für ein friedliches Zusammenleben. Allzu schreckhaft sollten Besucher von Boulders nicht sein, denn hinter jedem Busch könnte einer der bis zu 66 cm großen Vögel lauern. Ständig geben sie ungewöhnliche Geräusche von sich und sind allzeit dazu bereit, einen zu nahe gekommenen Touristen in die Schranken zu verweisen. Dabei könnte alles so harmonisch verlaufen, wenn nur die kleinen Frackträger in ihrem Territorium bleiben würden. Der Zugang zum eingezäunten Gelände der Brillenpinguine am Boulders Beach ist reglementiert, denn in der Hochsaison strömen täglich über 2000 Touristen zum Attraktionspunkt Nummer 1. Da haben die Einwohner mit ihren Wünschen nach einer Bestandsregulierung erst mal das Nachsehen. Um es sich aber auch mit ihnen nicht zu verscherzen ist eine Einsatzgruppe gegründet worden, die sofort mit Kescher und Transportbox bei Fuß steht sobald sich im Garten ein Untermieter eingeschlichen hat. 'Die Menschen müssen lernen, mit den Vögeln zu leben', meint Nationalpark-Chef Buchmann. Verhindern kann er dennoch nicht, dass hin und wieder Nester zerstört werden. Erwischen lassen sollten die Täter sich allerdings nicht, denn militante Tierschützer haben ein Auge auf Simon's Town geworfen. Und so werden die Pinguine auch weiterhin unbeschadet die Annehmlichkeiten des Restaurants am 'Penguin-Point' in Anspruch nehmen. Ein- bis zweimal pro Woche watschelt eins der Tiere zum Lokal, wartet bis sich die Schwingtür öffnet, schlüpft hinein und marschiert schnurstracks in die Küche!

Infos zu Boulders Beach findet man auch auf der Homepage von Ingrid.


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